Ungereimtheiten

Todesflug AF 447: Ermittler kommen unter Druck

Wenige Tage nach der Veröffentlichung eines Zwischenberichts zum Todesflug AF 447 mit 228 Opfern geraten die französischen Ermittler unter Druck. Sie hatten einen Hinweis auf das verwirrende Verhalten der sogenannten Überzieh-Warnung im Air-France-Cockpit zum Zeitpunkt des Absturzes wieder aus ihrem Bericht gestrichen.

Die Überzieh-Warnung ist ein wichtiges Hilfsmittel an Bord, die die Piloten eindringlich vor zu langsamer Geschwindigkeit warnt.

Nachdem die Streichung bekannt wurde, erwägen die Ermittler nun eine Sicherheitsempfehlung. Die Fluggesellschaft Air France hat deswegen bereits die europäische Luftfahrtbehörde AESA kontaktiert, berichtete die Wirtschaftszeitung "Les Echos".

Hinterbliebene der Opfer halten die Untersuchung für diskreditiert. Die Vereinigung Entraide et Solidarité AF447 sprach von einer "Vertrauenskrise". Die Hast, mit der die Behörde die Piloten des Unglücks-Airbus als Schuldige an dem Absturz porträtieren wolle, habe Skepsis aufkommen lassen. Ähnlich äußerte sich auch die französische Pilotengewerkschaft SNPL, die nun erwägt, sich aus der Untersuchung zurückzuziehen.

Kurz vor dem Unglück über dem Atlantik im Jahre 2009 mit 228 Toten - darunter 28 Deutschen - hatte die Überzieh-Warnung eine knappe Minute lang akustischen Alarm gegeben. Sie war verstummt, nachdem der Airbus fürs Fliegen zu langsam geworden war, also schon durchsackte; später dann schaltete sie sich mehrmals kurz wieder ein. Der Leiter der französischen Flugunfallbehörde BEA, Jean-Paul Troadec, hatte eingeräumt, dass der Alarm die Besatzung verwirrt haben könnte. In ihrem Bericht hatten die Ermittler das Verhalten der Piloten des abgestürzten Airbus A330-200 infrage gestellt, die nicht angemessen auf die Situation reagiert hatten.