Schmuggel

Lebenslang für den Roten Tycoon

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Johnny Erling

Normalerweise landen auf Pekings altem Flughafen, der dem heutigen Terminal 2 vorgelagert ist, nur Staatsbesucher oder Sondergäste. Sie werden mit Blumen empfangen. Für den von ihnen seit Jahren erwarteten Ankömmling Lai Changxing aber hielten Pekings Führer nur ein Paar Handschellen bereit.

Als früherer Chef des Handelskonzerns Yuanhua in Südchinas Küstenstadt Xiamen übte Lai so viel verbrecherische Macht aus, dass ihm der damalige Premier Zhu Rongji den Tod androhte, "wenn nicht zehnmal, dann mindestens dreimal".

Doch der vorab gewarnte Lai entkam 1999 seinen Häschern und floh nach Kanada, wo er immer wieder seine Abschiebung verhindern konnte. Nun, zwölf Jahre später, ist Lai also wieder in China. Er wird am Leben bleiben dürfen. Ohne diese Pekinger Zusicherung hätte Kanadas Justiz ihn nicht ausgeliefert. Ihm wird nur wegen Schmuggels der Prozess gemacht. Der Ankläger nannte weder Bestechung höchster KP-Funktionäre noch organisierte Kriminalität. Schmuggeln gehört seit Mai zu den 13 von 68 Delikten, die nach der jüngsten Strafrechtsänderung nicht mehr mit Todesstrafe geahndet werden. Das gilt selbst für einen so schweren Fall wie den von Lai, der zwischen 1996 und 1999 Schmuggelware im Wert von zehn Milliarden Euro umsetzte und den Staat um mehr als drei Milliarden Euro Steuern prellte. Lais Kumpanen, darunter bestochene hohe Funktionäre, hatten einst weniger Glück. Vor zehn Jahren wurden 14 der Hauptbeschuldigten zum Tode verurteilt und acht tatsächlich hingerichtet.

1999 hatte der damalige Premier Zhu Rongji mit einer aufwendigen Kommandoaktion Lais Geschäftsimperium aufrollen lassen. Selfmademan Lai, der einst als Bauernkind mit nur sieben Jahren Schulbildung aufwuchs, war zum größten privaten Wirtschaftsführer Xiamens aufgestiegen. Zwischen 1996 und 1999 organisierte er gigantische Schmuggelgeschäfte über von ihm kontrollierte Häfen und Frachterflotten mithilfe von Zoll, Polizei und Militär. Lai führte dabei 4,5 Millionen Tonnen Öl ein, brachte Containerschiffe voller Chemikalien, Arzneimittel und mehr als 8000 Pkws ins Land. In einem privaten Hotelgebäude mit Namen "Rotes Haus" ließ er ihm nützliche Funktionäre mit allem Luxus und Gespielinnen versorgen. Premier Zhu beschuldigte Lais Firma, "schwere Störungen für die Wirtschaftsordnung Chinas und riesige Verluste für die Nation zu verursachen". Er schickte 400 Pekinger Sonderermittler, Staatsanwälte und Polizisten nach Xiamen, um den "Korruptionssumpf" trockenzulegen. Von mehr als 600 Festgenommenen verurteilten die Gerichte die Hälfte. Der Höchstrangige unter den Verurteilten war Chinas Vizeminister der Polizei, Li Jizhou, der allerdings mit lebenslanger Haft davonkam.

Lai, über dessen Leben bereits Bestseller (Oliver August: "Auf der Suche nach dem Roten Tycoon") verfasst wurden und künftig Filme gedreht werden, war 1999 mit Frau und drei Kindern nach Kanada geflohen. Seine Familie war allerdings bereits 2010 zurückgekehrt - freiwillig.