Loveparade-Gelände in Duisburg

Möbelhaus statt Gedenkstätte

Verwildert und menschenleer liegt das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs zwischen Bahnanlagen und der A 59 im Zentrum Duisburgs. Am Fuß einer breiten Rampe, die aus einem langen Tunnel abzweigt und zur Industriebrache hinaufführt, rauschen Autos vorbei. Sonst regt sich nichts.

Drei geparkte Bagger künden aber bereits von Veränderungen an dem Ort, an dem sich vor einem Jahr die Loveparade-Katastrophe ereignet hatte.

Die Szenen, die am 24. Juli 2010 Duisburg und ganz Deutschland in einen Schockzustand versetzten, sind am Unglücksort noch immer gegenwärtig: Wo 21 Menschen im Gedränge vor dem Hauptzugang zum weltgrößten Technofest regelrecht zerdrückt und weit mehr als 500 verletzt wurden, stehen Kerzen und Blumen. Eine provisorische Gedenkstätte ist entstanden, ansonsten ist der Fuß der Rampe nahezu unverändert.

Wie lange das so bleibt, ist jedoch fraglich. Der Berliner Unternehmer Kurt Krieger will auf dem Gelände mit Investitionen im dreistelligen Millionenbereich ein gigantisches Projekt realisieren: Auf gut 30 Hektar sollen ein Möbelhaus und ein Möbeldiscounter mit zusammen rund 50 000 Quadratmetern Verkaufsfläche entstehen. Dazu plant Krieger Bürogebäude mit 90 000 Quadratmetern Fläche. Das alles eingebettet in eine Parklandschaft mit Seen, Cafés und Restaurants.

Die Rampe soll abgerissen werden

Die Investitionen versprechen hohe Steuereinnahmen. Krieger stellt zudem die Schaffung von mehreren Hundert Arbeitsplätzen in Aussicht. Trotzdem hat der Rat der Stadt die Beschlüsse für einen Baustart noch nicht getroffen. Eines der Hindernisse: Die Pläne sehen den Abriss der Rampe und damit den Verlust der Gedenkstätte vor. Das stößt bei Angehörigen der Loveparade-Opfer auf Widerstand. Die Stadt ist zwiegespalten. "Wir haben großes Interesse daran, dass das Gelände in großen Teilen bebaut wird", räumt Sprecher Frank Kopatschek ein. Nach einem Ratsentscheid vom 11. Juli 2011 solle aber auch den Belangen der Angehörigen Rechnung getragen werden. In einer Sondersitzung hatte der Rat vor knapp zwei Wochen die Offenlegung des Bebauungsplans beschlossen. Innerhalb von vier Wochen können die Bürger Bedenken und Anregungen äußern, die geprüft werden müssen. Zudem gab der Rat der Verwaltung den Auftrag, sich im Hinblick auf den Unglücksort für eine einvernehmliche Lösung einzusetzen. Bisher hatte eine Textpassage im Bebauungsplan den Abriss der Rampe quasi besiegelt. "Der Originalort des Unglücks ist nicht erhaltbar", hieß es darin. Die Tunnelstrecke und die bestehende Rampe seien mit dem Gesamtkonzept der Planung nicht vereinbar. Dieser Text ist jetzt gestrichen. "Die gesamte Rampe wird aber nicht erhalten werden können", räumt Kopatschek ein. Um die Realisierung des Projekts aber wirklich voranzubringen, fehlen die nötigen Beschlüsse. Wann entsprechende Schritte von der Stadt genehmigt werden, war vom Unternehmen nicht zu erfahren. Im Umfeld des Jahrestages der Loveparade-Katastrophe gebe es kein Interesse an einer Berichterstattung, hieß es.

Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland hat unterdessen sein Festhalten am Amt verteidigt. "Warum sollte ich zurücktreten, solange nicht geklärt ist, ob die Verwaltung, der ich vorstehe, Fehler bei der Organisation gemacht hat?", sagte der CDU-Politiker der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Einen Rücktritt, ohne dass der Verwaltung Fehler nachgewiesen wurden, halte er für falsch. Zugleich schloss Sauerland unter bestimmten Umständen einen Rückzug aus dem Amt nicht aus. "Wenn in meinem Aufgabenbereich Fehler nachgewiesen werden, mache ich den Weg frei. Ich trete in diesem Fall zurück oder lasse mich abwählen", erklärte der Oberbürgermeister.