Belgischer Adel

Nationalfeiertag ohne Prinz Laurent

Belgiens König hat dieser Tage eine Menge Sorgen. Seit mehr als 400 Tagen ist sein Land ohne Regierung, die Flamen wollen sich mit den Wallonen nicht auf eine neue Koalition einigen. Und nun läuft es bei Albert II. auch familiär alles andere als reibungslos.

Der Monarch traf eine in der 181-jährigen Geschichte des Königshauses einmalige Entscheidung: Sein jüngster Sohn, Prinz Laurent, wurde nicht zu den Festlichkeiten am heutigen Nationalfeiertag eingeladen. Keine Militärparade vor dem königlichen Palast in Brüssel, kein Tedeum in der Kathedrale: Der 47-Jährige und Frau Claire sind nicht dabei. "Und im Fernsehen werden sie sich die Parade wohl auch nicht anschauen", lästert die belgische Presse.

Der Zwist zwischen Vater und Sohn aus dem Geschlecht Sachsen-Coburg und Gotha hält schon seit Monaten an. Als Laurents älteste Tochter vor Wochen zur Kommunion ging, nahm der Großvater auf Wunsch von Königin Paola zwar teil, wechselte mit Laurent aber kein einziges Wort. Im Zusammenhang mit der mittlerweile siebenjährigen Louise gab es bereits einen großen Familienstreit. Laurent hatte nach ihrer Geburt seinen Freund Cyrus Resa Pahlewi, Sohn des letzten iranischen Schahs, als Paten auserkoren. Es brachte Proteste aus Teheran und diplomatische Verwicklungen, bis der Prinz endlich von seinem Plan abließ. Den vorläufigen Höhepunkt aber brachte eine Reise Laurents im vergangenen März in den Kongo. Der ehemaligen Kolonie verdankte das Königreich bis lang nach dem Zweiten Weltkrieg unermesslichen Reichtum. Die Menschenrechtsverbrechen, die die Belgier dort begingen, sind bis heute tabu. Da die politische Situation überdies im schwarzafrikanischen Land äußerst angespannt ist, will man in Brüssel jede Nähe zur Politik vermeiden. Albert II. riet Laurent mehrfach von seiner Reise ab. Laurent flog trotzdem hin.

Mit dem gemeinen Volk hat der Prinz nicht viel gemein, am Kiosk in Tervuren, einem feinen Vorort von Brüssel, wo Laurent mit der bürgerlichen Claire wohnt, drängelt er sich gern vor. Oder parkt auf dem Behindertenparkplatz der Britischen Schule, die seine drei Kinder besuchen. Die Ausladung vom Nationalfeiertag mag Laurent, der schon mal vor "Verschwörungen des Palasts" gegen seine Person warnte, hart getroffen haben. Wären da nicht die 300 000 Euro Apanage, die er jedes Jahr für seine royalen Pflichten bekommt, er würde den Titel womöglich abgeben - in der Thronfolge steht er ja ohnehin nur auf Platz zwölf.