"Festival-Veranstalter war überfordert"

Nach einer von der Polizei verhinderten Massenpanik bei einem Technofestival in Freiburg haben die Behörden dem Veranstalter schwere Vorwürfe gemacht. Er habe Auflagen nicht erfüllt und die Zahl der Zuschauer unterschätzt, sagte Freiburgs Erster Bürgermeister Otto Neideck (CDU). Für die Behörden habe es im Vorfeld keine Anzeichen gegeben, dass es zu Problemen kommen könnte.

Deshalb habe es auch keine Zweifel an der Genehmigung gegeben. Die Stadt werde nun prüfen, ob der Konzertveranstalter neben Bußgeldern auch die Kosten des Einsatzes von Polizei und Rettungsdiensten bezahlen muss.

Beim Sea-of-Love-Festival mit 25 000 Besuchern am Wochenende in Freiburg waren deutlich mehr Zuschauer zu den Veranstaltungsorten gedrängt als erwartet. Vor der Messehalle war es zu dramatischen Szenen gekommen, als weitere 2000 Zuschauer in die mit 7000 Menschen ohnehin schon überfüllte Halle wollten. Die Veranstalter hatten daraufhin die Polizei um Hilfe gebeten. Diese verhinderte eine Massenpanik. Auch am zweiten Veranstaltungsort, dem Tunisee, gab es Probleme, unter anderem an einer für Fußgänger gedachten Unterführung. Zahlreiche Festivalbesucher liefen deshalb über die Autobahn. Die Ereignisse erinnern an die Katastrophe von Duisburg, wo es vor knapp einem Jahr während der Loveparade zu einer Massenpanik mit 21 Toten gekommen war.

"Der Veranstalter war überfordert", sagte Freiburgs Erster Bürgermeister Neideck über die Zwischenfälle am Wochenende. Er habe zu wenige Ordner bereitgestellt. Zudem habe er nicht mit den Behörden kooperiert. Fehler im Rathaus habe es nicht gegeben. "Es hat aus unserer Sicht nichts darauf hingedeutet, dass die von uns verfügten Auflagen nicht eingehalten werden." Der Veranstalter, ein Freiburger Konzertunternehmen, wollte sich weiterhin nicht zu den Vorwürfen äußern.

In Duisburg bereiten sich die Menschen unterdessen auf die öffentliche Gedenkfeier für die Opfer der Loveparade vor. Die Feier am kommenden Sonntag im Duisburger MSV-Stadion wird jedoch belastet von dem Streit um die Verantwortung für die Katastrophe. Die Organisation der Zeremonie liege deshalb auf "ausdrücklichem Wunsch" der Angehörigen bei NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD), sagte Uwe Rieske von der Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche. Damit verbunden sei der Wunsch, "dass andere nicht teilnehmen". Der umstrittene Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) und Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller sind deshalb nicht dabei. Nach der rund zweistündigen Gedenkfeier am Nachmittag werden Angehörige und Freunde der Opfer zu der Unglücksstelle im Karl-Lehr-Tunnel gebracht. Dort sollen sie abgeschirmt gemeinsam trauern können. Im Zentrum der Feier stehen Ansprachen von Verletzten, Rettungssanitätern sowie einer Angehörigen aus Italien. Auf Wunsch der Angehörigen tritt der Sänger der Band Unheilig auf. "Der Graf" singt "Geboren, um zu leben".