Bavaria Film

Die Rückkehr des Jörg Kachelmann

Dunkles Sakko, hellblaues Hemd, ein freundliches Lächeln auf den Lippen und dazu zunächst viel Schwyzerdütsch: So trat Jörg Kachelmann gestern zum ersten Mal seit seinem Freispruch vor die Presse.

Kachelmann war von einer Ex-Freundin vorgeworfen worden, sie im Februar 2010 mit einem Messer bedroht und vergewaltigt zu haben. Er hatte dies stets bestritten und wurde vom Landgericht Mannheim Ende Mai aus Mangel an Beweisen freigesprochen.

Gestern freilich ging es ihm nicht um den Prozess, sondern um seine geschäftlichen Pläne. In seiner Eröffnungsrede in Zürich freute er sich über das große Medieninteresse "an einer rein wissenschaftlichen" Meteorologieveranstaltung. Denn der Schweizer Wettermoderator bastelt eifrig an seiner professionellen Rückkehr. Und baut dafür an einer Zukunft ohne Rückkehr auf Deutschlands öffentlich-rechtliche Bildschirme. "Glauben Sie mir, es ist nicht so toll, auf der anderen Seite der Kamera zu stehen", sagte Kachelmann. Er werde sich vielmehr mit aller Kraft seiner Firma Meteomedia in der Schweiz und vor allem ihrem internationalen Ausbau widmen, sagte Kachelmann, der gestern 53 Jahre alt wurde. Und fügte, nicht ganz unbescheiden, hinzu: "Wetterstationen aufstellen kann ich seit 30 Jahren am besten."

Die Entscheidung, ob er wieder das Wetter im deutschen Fernsehen moderiere, liege bei der ARD, fügte er hinzu. Der Sender will erst entscheiden, wenn das Urteil gegen Kachelmann, der mangels Beweisen freigesprochen worden war, rechtskräftig ist. Der Moderator sagte, er sehe dieser Entscheidung "sehr entspannt" entgegen. Daran hänge nicht sein Leben, für das er ganz andere Ziele habe. Er sei dann weder "narzisstisch gekränkt noch erfreut in der anderen Richtung".

Wetter im Radio und bei Twitter

Kachelmann war bis zu seiner Festnahme am Frankfurter Flughafen im März 2010 Wettermoderator bei der ARD. Noch während des Prozesses hatte Kachelmann bei den kleineren Sendern Radio Basel und Radio Primavera im unterfränkischen Aschaffenburg den Wetterbericht verkündet. Zudem kommentiert er über den Kurznachrichtendienst Twitter aktuelle Wetterphänomene.

Der 53-Jährige kündigte an, über einen neuen Videoservice im Internet Wettermeldungen im Schweizer Dialekt und auf Englisch anbieten zu wollen. Gleichzeitig gab Meteomedia bekannt, künftig mit der Münchner Bavaria Film Gruppe zusammenzuarbeiten. Ab Anfang 2012 wollen beide Wettersendungen unter anderem für das Fernsehen herstellen. Bavaria Film und Meteomedia hätten sich zum Ziel gesetzt, dieses Geschäftsfeld gemeinsam weiterzuentwickeln. Man sei überzeugt, Abnehmer für die Sendungen "in Deutschland und anderswo" zu finden. Begründet wurde dies unter anderem damit, dass die Produktionen in der Schweiz zu teuer werden könnten. Sein Unternehmen hänge zur Hälfte je von der Medienbelieferung und von anderen Nichtmedienkunden ab, sagte Kachelmann.

Meteomedia verfügt nach eigenen Angaben über 830 Stationen in Europa und verwertet Daten von 17 000 Stationen weltweit. Das Unternehmen plane auch den Aufbau von 1000 Wetterstationen auf den Philippinen. "Wir möchten einen Beitrag leisten, die Unwetterwarnungen für dieses Land zu verbessern." Es sei geplant, dort Arbeitsplätze zu schaffen und das Verständnis für tropische und subtropische Meteorologie zu vertiefen.