Dortmund

Entlassener Sextäter missbraucht Mädchen

Ein aus der Sicherungsverwahrung entlassener Mann hat in Dortmund ein sieben Jahre altes Mädchen sexuell missbraucht.

Wie die Polizei am Donnerstag mitteilte, hatte der 51-Jährige bereits am 26. Januar dieses Jahres das Kind auf dem Heimweg von der Schule in der Innenstadt angesprochen. Dann lockte er die Siebenjährige in eine Tiefgarage und verging sich dort an ihr. Da das Mädchen den Mann nicht verlässlich beschreiben konnte, wurde er erst jetzt aufgrund eines DNA-Treffers ermittelt und festgenommen. Der Mann ist geständig und soll am heutigen Freitag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Einschlägig vorbestraft

Der 51-Jährige ist als Sexualstraftäter einschlägig vorbestraft und war wegen eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte aus der Sicherungsverwahrung entlassen worden. Seit September 2010 hatte er in Dortmund gewohnt. Laut Informationen der WAZ-Mediengruppe galt er bei Polizei und Therapeuten als Musterbeispiel einer Resozialisierung. Deshalb habe man die offen und verdeckt durchgeführten Observationen des Straftäters Ende 2010 eingestellt, wird der Dortmunder Kriminalrat Christian Vosskühler zitiert. Dies geschah auf Beschluss einer "Fallkonferenz", an der Beamte der Dortmunder Polizei, des Landeskriminalamtes, der Führungsaufsicht sowie Therapeuten teilnahmen. Anschließend habe der Mann nur noch ein Handy bei sich getragen, um geortet werden zu können. Er habe darüber hinaus demnächst mit seiner Freundin zusammenziehen wollen. Laut Informationen der WAZ-Mediengruppe war der 51-Jährige 1992 wegen mehrfachen Missbrauchs an Jungen verurteilt worden.

Da das missbrauchte Mädchen verschiedene Schilderungen der Tat erzählt sowie Tatort und Täter unterschiedlich beschrieben hatte, führte die Spur zunächst nicht zu dem 51-Jährigen. Erst eine Speichelprobe und ein DNA-Test überführten den verurteilten Sexualstraftäter. Laut WAZ kündigte die Dortmunder Oberstaatsanwältin Ina Holznagel an, den Fall minutiös aufzuarbeiten. Zudem werde man 20 Fälle, in denen Kinder von Unbekannten angesprochen worden waren, erneut untersuchen.

Ähnlich gelagert ist der Fall eines 69-jährigen Sexualstraftäters aus Neuenkirchen im Münsterland. Er hatte nach der Entlassung aus der Sicherungsverwahrung ein Nachbarsmädchen missbraucht und muss nun den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen. Das Landgericht Münster verurteilte den Mann am Donnerstag zu fünfeinhalb Jahren Gefängnis und verhängte erneut Sicherungsverwahrung. "Im Ergebnis heißt das für Sie, dass Sie den Rest ihres Lebens inhaftiert bleiben", sagte der Richter.

Wegen Änderungen der Gesetzeslage bei Sicherungsverwahrten, die durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte in Deutschland umgesetzt worden war, war der einschlägig Vorbestrafte im Mai 2010 freigekommen. Damals war er nach Neuenkirchen gezogen. Dort missbrauchte er laut Urteil die kleine Samantha, eine Fünfjährige von nebenan.

"Hätte ich von seiner Vergangenheit gewusst, wäre ich niemals in dieses Haus eingezogen", sagte die 27 Jahre alte Mutter des Opfers nach dem Urteil. Obwohl der Mann unter Führungsaufsicht stand, hatten die Behörden die Nachbarn nicht informiert. Der 69-Jährige hat seit der Jugend immer wieder Sexualverbrechen begangen. Unter anderem hatte er eine Frau mehrfach vergewaltigt. In den 90er-Jahren hatte er eine Sechsjährige missbraucht.

Diskussion um Reform

Die Fälle dürften die Diskussion um die Reform der Sicherungsverwahrung neu entfachen. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Vosskuhle, zog bislang eine positive Zwischenbilanz der Reform. Der "Neuen Osnabrücker Zeitung" hatte er gesagt, er sei sehr zuversichtlich, dass die Neuordnung fristgerecht gelinge. Das Zusammenwirken von Bundes- und Landesgesetzgeber sei eine Herausforderung. In verschiedenen Ländern gebe es aber bereits gute Ansätze bei der Umsetzung der Vorgaben aus Karlsruhe. Zu den Kosten für den nötigen Umbau des Vollzugs sagte Voßkuhle: "Diese Investition müssen uns der Rechtsstaat und die Freiheitsrechte wert sein."

Das Verfassungsgericht hatte im vergangenen Mai nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte alle Vorschriften zur Sicherungsverwahrung verworfen. Es wurde insbesondere eine deutlichere Abgrenzung von der Strafhaft verlangt. Die Karlsruher Richter forderten Bund und Länder auf, bis Mai 2013 ein gesetzliches Gesamtkonzept zur Sicherungsverwahrung vorzulegen.