Urlaubsinsel

Die Sylter sollen zu Hause bleiben

Steigende Mieten und Immobilienpreise - auf Sylt ist das nichts Neues. Seit bald 20 Jahren gebe es den preisbedingten Wegzug von Einheimischen, doch in letzter Zeit spitze es sich zu, sagt der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde Sylt, Carsten Kerkamm.

Aber nun wolle die Gemeinde verstärkt gegensteuern. So plane man zum Beispiel konkret Wohnungen am Westerländer Bastianplatz. Dort solle nur Wohnraum für Sylter entstehen.

Bereits seit einigen Jahren liefen in mehreren Gebieten Erbbaupacht-Programme für Sylter Familien. Bedingung sei, dass man den Erstwohnsitz auf der Insel nehme und mindestens 20 Jahre lang nicht wieder verkaufe, anderenfalls gingen etwaige Gewinne komplett an die Gemeinde. "Wir wollen Spekulationsgewinnen Einhalt gebieten", sagt Carsten Kerkamm.

Ziel sei es, die Leute auf der Insel zu halten. Die Entwicklung, dass immer höhere Preise die Einheimischen vertreiben, habe sich durch die Finanzkrise verschärft, sagt Kerkamm. Viele Leute investierten lieber in Immobilien, weil dies als sicherer empfunden werde. "Und wo sind die Preise wohl am sichersten?"

Wenn viele Häuser auf der Insel Auswärtigen gehören, die nicht das ganze Jahr auf Sylt wohnen, kann auch das soziale Gefüge insgesamt in Bedrängnis geraten. "Noch ist das insulare Leben im Gange", stellt Kerkamm fest. Wenn sich die Lage verschärfe, könne sich dies aber ändern. Grundschulen hätten bereits schließen müssen. Auch der Abzug der Bundeswehr mache sich bemerkbar. Deren leer stehende Liegenschaften gingen an den Meistbietenden - in der Regel Auswärtige.

Auch bei Immobilienmaklern auf Sylt kennt man die Probleme der Einheimischen. Gerade bei Mietwohnungen bekämen Interessenten Probleme. "Nehmen Sie eine vierköpfige Familie mit 2500 Euro Bruttoeinkommen - die hat es äußerst schwer, eine Wohnung zu finden", sagt Marcus Riel, Juniorchef von Reinhold Riel Immobilien in Westerland. Kleine Wohnungen gebe es zwar "immer mal wieder", diese eigneten sich aber eher für Alleinstehende bis Mitte 30. Wer eine Familie habe, brauche mehr Platz, und der sei dann deutlich teurer.

Ein klassisches Reihenhaus mit etwa 110 Quadratmetern koste 1400 bis 1500 Euro Monatsmiete, unter 1000 Euro ginge jedenfalls überhaupt nichts. Zu kaufen gebe es für Einheimische die Objekte, "die für klassische Zweitwohnungsbesitzer nicht interessant sind" - beispielsweise Einfamilienhäuser aus den 50er- oder 60er-Jahren. Ansonsten gibt es kaum Grenzen bei den Preisen: Immobilienfirmen bieten etwa ein saniertes Reetdachhaus, 150 Quadratmeter, für 1,77 Millionen Euro oder eine 152 Quadratmeter große Doppelhaushälfte in Kampen für 3,3 Millionen Euro an.

"Die Lage ist schlecht", gibt Carsten Kerkamm, selbst ein waschechter Sylter, zu. Aber die Gemeinde versuche dem entgegenzutreten, und dieser Versuch werde mit Sicherheit von Erfolg gekrönt sein. Dennoch: Sylt habe nun einmal begrenzten Wohnraum.