Abhörskandal

Boulevard-Affäre in Großbritannien weitet sich aus

Der Abhörskandal um das britische Boulevardblatt "News of the World" zieht immer weitere Kreise.

Laut Medienberichten haben Reporter der Sonntagszeitung offenbar auch Angehörige von Opfern des Londoner Terroranschlags vom 7. Juli 2005 ausspioniert. Der Vater eines Getöteten sagte der BBC, die Polizei habe ihn über mögliche Hacking-Angriffe auf die Handy-Mailbox seines Sohnes informiert. "Der Gedanke, dass diese Typen uns abgehört haben, ist schrecklich", sagte der Vater.

Der britische Premier David Cameron bekräftigte am Mittwoch seine Forderung nach weiteren öffentlichen Untersuchungen zu dem Fall. Die Bevölkerung sei "abgestoßen" von der Affäre, bei der unter anderem auch das Handy eines entführten und später getöteten Mädchens abgehört worden war. "Jeder hier im Parlament und in diesem Land ist aufgewühlt durch die Dinge, die bekannt geworden sind und über die im Fernsehen berichtet wird", sagte der konservative Politiker während einer Dringlichkeitssitzung im Unterhaus. Gleichzeitig wurde bekannt, dass auch Polizisten in den Skandal um die Boulevardzeitung des Medienunternehmers Rupert Murdoch verwickelt sein sollen. Demnach hätten Beamte im Zeitraum von 2003 bis 2007 Geldzahlungen von der Redaktion der "News of the World" erhalten, um das Abhören von Telefonen zu ermöglichen.

Der öffentliche Druck auf das Boulevardblatt nimmt unterdessen zu. Nachdem im Internet via Facebook und Twitter zum Boykott der Zeitung aufgerufen wurde, reagierten Anzeigenkunden der "News of the World": Die Lloyds Banking Group stornierte nach eigenen Angaben bereits geplante Anzeigen in der Sonntagszeitung, genau wie etwa das Reiseunternehmen Virgin Holidays des Milliardärs Richard Branson, der Telekommunkationskonzern T-Mobile und der Autobauer Ford.