Hamburg

Feuerwehr rammt Linienbus - Zwei Tote

Der Aufprall zwischen beiden tonnenschweren Fahrzeugen war so mächtig, dass der Gelenkbus der Hamburger Hochbahn mehr als 15 Meter über die Bundesstraße 75 geschoben wurde und erst in einem Vorgarten zum Stehen kam.

Allein das Heck des Hochbahn-Busses der Linie 9 stand noch auf der Straße. Die Fahrgäste, darunter auch ältere Menschen und kleine Kinder, hatten keine Chance: Sie wurden aus ihren Sitzen gehoben und durch den Bus geschleudert.

Auch die Front des Feuerwehrwagens ließ erahnen, welche Kräfte gestern Nachmittag gewirkt haben müssen, als das so genannte Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug, kurz HLF, in die Seite des Linienbusses prallte. Von der Frontscheibe waren nur noch Scherben übrig, über die gesamte Straße verteilt lagen Reste der Fahrzeug-Verkleidung, das Chassis war sichtbar verbogen. Ein weißes Stück Stoff wehte noch aus einem der zerborstenen Fenster. Auf dem Boden vor dem Bus lageine schwarze Plane.

Es ist der schlimmste Unfall, in den ein Bus des Hamburger Verkehrsverbundes je verwickelt war: Die 62-jährige Jolanta Sch. und der 78 Jahre alte Heinz B. starben trotz der fieberhaften Reanimationsversuche der Rettungssanitäter und Notärzte. Mindestens 21 Menschen, darunter 16 Fahrgäste und die fünf Feuerwehrleute aus dem HLF, wurden verletzt - mussten wegen Prellungen, Knochenbrüchen, Gehirnerschütterungen behandelt werden.

Drei von ihnen erlitten so schwere Verletzungen, dass sie mit dem Hubschrauber oder Rettungswagen in nahe gelegene Krankenhäuser eingeliefert werden mussten. Unter den Schwerverletzten ist mindestens ein Kind - ein Junge, der mit seiner Mutter in dem Bus war und dessen Identität mehrere Stunden lang nicht ermittelt werden konnte. Bei den anderen beiden Geschädigten soll es sich unbestätigten Angaben zufolge um eine junge Mutter mit ihrem Kleinkind handeln. Die Zahl der Verletzten stieg gestern Abend immer weiter an, nachdem weitere Fahrgäste aus dem verunglückten Bus über Übelkeit und Kopfschmerzen klagten.

Wie es zu dem Unfall kam, ist noch nicht abschließend geklärt. Nachdem die Verletzten versorgt waren, erklärte die Polizei das Teilstück der Stein-Hardenberg-Straße zum Tatort. Der Verkehrsunfalldienst nahm die Ermittlungen auf. Ersten Erkenntnissen zufolge wollte der Fahrer des Linienbusses, der zuvor an der Haltestelle Bahnhof Tonndorf mehrere Fahrgäste aufgenommen hatte, in Richtung Innenstadt weiterfahren - mit Ziel Wandsbek-Markt.

Die Besatzung des Feuerwehrwagens hingegen fuhr zur selben Zeit mit hoher Geschwindigkeit auf der B 75 stadtauswärts. Die Beamten, deren Feuerwache nur knapp 500 Meter vom Unfallort entfernt liegt, waren zu einem Fahrstuhlbrand in einem Hochhaus am Gropiusring gerufen worden. Beide Fahrzeuge trafen vermutlich aufeinander, als der Bus bereits einen Teil der Gegenfahrbahn überquert hatte, um auf die Spur in Richtung Innenstadt einzuschwenken. Ob die Beamten mit Martinshorn und Blaulicht fuhren und der Busfahrer sie möglicherweise trotzdem übersah, wird noch ermittelt.

Bei der Feuerwehr herrschte gestern tiefe Bestürzung über den schweren Unfall: "Wir sind stark betroffen und erschüttert", sagte Sprecher Manfred Stahl. "Es ist das Schlimmste für einen Feuerwehrmann, wenn bei einem Einsatz Menschen tödlich verunglücken."

Der Unfall auf der Stein-Hardenberg-Straße ist der erste seit vielen Jahren, bei dem Insassen eines Busses der Hochbahn ums Leben gekommen sind. In der Vergangenheit hatte es mehrfach Vorfälle gegeben, bei denen Mitfahrer zum Beispiel durch Zusammenstöße mit Autos oder Vollbremsungen verletzt wurden. Im April verletzten sich 13 Personen, als ein Bus auf der Schöneberger Straße (Jenfeld) mit einem entgegenkommenden Opel Corsa kollidierte.