Monaco

Endlich unter der Haube

"Volksnähe herstellen" war offenbar die Order an die Bühnenbildner für die zivile Hochzeit des monegassischen Fürstenpaares. Am frühen Freitagnachmittag dekorierten die Caterer deshalb den Platz vor dem Grimaldischen Palast, mit drei großen offenen Zelten, die an überdimensionierte provenzalische Marktstände erinnerten.

In rustikalen Gemüsekisten wurden Paprika, Auberginen und Zucchini drapiert, als werde das Hochzeitsmahl nicht vom Catering-Service des Luxushotels Fairmont zubereitet, sondern von einer deftigen Marktfrau, die einen großen Topf Ratatouille anrührt.

Nur die Magnum-Flaschen Jouet-Perrier-Champagner, die gerade kalt gestellt wurden, ließen den Verdacht aufkommen, dass die Veranstaltung doch etwas gediegener werden könnte. Außerdem baumelten trotz gleißender Mittelmeersonne zwei Kristallleuchter im Hof, die an etwas seltsam anmutenden, drei Meter hohen weißen Plastik-Haken hingen. Um kurz vor 16 Uhr dann strömten die ersten Monegassen auf den Platz. Gesäumt von pastellfarben gestrichenen, provenzalischen Häuschen bietet der Place du Palais einen schönen Ausblick über die protzigen Yachten im Hafen von Monaco, die so elegante Namen tragen wie "Pussy Frog II".

Die Augen der Gäste richteten sich jedoch vor allem auf die beiden neben dem Palastportal aufgebauten Großbildschirme, auf dem die Trauung aus dem Thronsaal übertragen wurde. Zunächst waren nur die Initialen des Paares - "AC", eng verschlungen - zu sehen. Kurz vor 17 Uhr flackerten die ersten Bilder auf. Fürst Albert (schwarzer Anzug, silberne Krawatte) nahm im Thronsaal auf dem mit roter Seide bezogenen Sessel Platz, Charlene Wittstock trug ein elegantes hellblaues, bodenlanges Ensemble von Chanel. Hinter dem Brautpaar saßen die Trauzeugen Donatelle Knecht de Massy und Chris Le Vine. Er ist einer der amerikanischen Cousins Fürst Alberts - aus der Familie seiner Mutter Grace Kelly. Charlene Wittstocks Trauzeugin, Donatela Knecht de Massy, ist die Ehefrau eines der Söhne von Prinzessin Antoinette, der Schwester des verstorbenen Fürsten Rainier III.

Rechts in der ersten Reihe neben Albert war Prinzessin Caroline unter einem famosen Hut nur schwer zu identifizieren, Prinzessin Stéphanie bemerkte, dass die Kamera sie beim Tuscheln erwischte und verstummte alsbald.

Der Bräutigam haucht "Ja"

Der Standesbeamte Philippe Narmino begrüßte die aus Südafrika angereisten Familienmitglieder von Charlene Wittstock auf Englisch und entschuldigte sich sogleich. Wie jeder hören könne, sei English nicht seine Muttersprache. Den geltenden Sitten gemäß werde er die Trauung auf Französisch fortsetzen. In seiner kurzen Ansprache erwähnte er, dass das Paar sich über die "gemeinsame Leidenschaft für den Sport" kennen gelernt hatte. Fürst Albert, selbst mehrfacher Olympiateilnehmer im Bobfahren, war der einstigen Rückenschwimmerin erstmals begegnet, als er ihr 2002 nach einem Wettbewerb in Monaco einen Pokal überreichen durfte. Dann stellte Narmino um 17.08 Uhr die entscheidende Frage, und Charlene lächelte bereits, bevor sie zu ihrem rechts von ihr sitzenden Bräutigam schaute und ein deutliches "Ja" hauchte.

Fürst Albert, der selbst oder vielleicht erst recht in dieser Lage leicht verkniffen wirkt, sagte kurz darauf ebenfalls vernehmlich "Ja" und hauchte einen Kuss in Richtung Charlene.

Auf dem Place du Palais brach in diesem Moment Jubel aus. Anfang der Woche waren noch Gerüchte im Umlauf gewesen, die Braut habe Monaco fluchtartig verlassen wollen. Einen entsprechenden Bericht eines französischen Nachrichtenmagazins hatte der Palast umgehend dementiert - und Charlene Wittstock bekräftigte das Dementi nachhaltig mit ihrem "Oui".

Die Hochzeitsurkunde unterzeichnete das Paar mit einem gesponserten Montblanc-Füllfederhalter, der mit 161 Rubinen und 128 Diamanten in den monegassischen Nationalfarben besetzt ist. Kurz nach der Zeremonie sollte das Brautpaar dem erfreuten Volk aus einem Fenster des Thronsaales zuwinken, doch die Gratulations-Tour im Innern des Palastes dauerte eine Weile an . Kurz vor 18 Uhr schließlich verließen die ersten geladenen Gäste das Innere des Palastes und begaben sich auf den Vorplatz.

Es folgten die Fanfaren-Bläser der Palastwachen, die zur Feier des Tages den Marsch "Hymne für Fürstin Charlene" intonierten, als sich das Brautpaar schließlich am vierten Palastfenster von links über dem Wappen der Grimaldis zeigte. Albert und Charlene winkten - und küssten sich schließlich unter dem Jubel der Zuschauer. Im Nachbarfenster zeigten sich kurz darauf die Prinzessinnen Caroline und Stéphanie lächelnd.

90 geladene Gäste im Saal

Lediglich der Brautvater, Michael Wittstock, schaute ein wenig verdattert in die Runde, während die Monegassen seiner Tochter zujubelten und die Kapelle spielte. Die "Hymne für Charlene" war eigens für den Anlass vom Fanfarenchef Christian Escaffre und dem Kirchen-Organisten Jean-Christophe Aurnague, komponiert worden. Als das Ständchen zu Ende war, ließ die Menge das Paar mit "Hurra"-Rufen hochleben. Das Brautpaar wandte sich wieder in den Saal.

Nur etwa 90 geladene Gäste hatten zuvor Zugang zu der standesamtlichen Zeremonie. Neben den Trauzeugen und den engsten Familienangehörigen waren einige monegassische Honoratioren, der Erzbischof, sowie der französische und der südafrikanische Botschafter zugegen. Ein deutlich größeres Staraufgebot wird für die kirchliche Trauung am heutigen Samstag erwartet.

Durch die Trauung wurde Charlene Wittstock logischerweise ein Mitglied der Familie Grimaldi. Seit Freitagnachmittag darf sie den Titel "Ihre Hoheit Fürstin Charlene von Monaco" führen. In ihrer neuen Funktion nahm sie als Erstes auf dem Palast-Platz das Hochzeitsgeschenk der Monegassen entgegen. Monacos Bürgermeister Georges Marsan überreichte eine Gouache von Wasily Kandinsky und eine Bronze-Plastik von Antoine Bourdelle - stellvertretend für die erkennbar zahlungskräftigen 7800 Staatsangehörigen Monacos. Marsan gratulierte dem Paar und versicherte ihrer frisch gebacken Hoheit Charlene, sie habe "die Herzen ihrer neuen Heimat" bereits erobert. "Vive les Mariés, vive le Prince et vive la Princesse" schloss der Bürgermeister seine Ansprache. Prince Albert bedankte sich artig, betonte die Verbundenheit der Monegassen mit ihren Fürsten und wünschte allseits "Bonne Fête!"

Nach einem weiteren Ständchen schüttelte das Paar auf dem Palastplatz zahlreiche Hände. Der Champagner floss im Verlauf reichlich und gleichmäßig. Am Freitagabend dann feierte das Paar bei einem Konzert des Elektronik-Pop-Seniors Jean Michel Jarre im Port Hercule mit seinem doch zufriedenen Volke.

Das ZDF überträgt die kirchliche Trauung ab 14.30 Uhr. Verfolgen Sie die Ereignisse in Monaco auch im Live-Ticker der Berliner Morgenpost unter morgenpost.de