E-Commerce

"Harry Potter" zum Mitmachen

Eine magische Vorstellung konnte erleben, wer sich am Donnerstag in Londons Victoria-&-Albert-Museum eingefunden hatte, wo Joanne K. Rowling und ihre Internetpartner, Sony und die Webdesign-Agentur Think, das jüngste Fantasie-Projekt aus der "Harry Potter"-Welt vorstellten.

"Pottermore" ist die digitale Antwort auf die sieben gedruckten Bände des Epos. Pünktlich um zwölf Uhr Londoner Zeit fuhr dann der magische Express auch auf YouTube ab, wo die Autorin ihr Projekt dem globalen Publikum erläuterte. Für Verbreitung der Information ist also gesorgt - für das Verständnis braucht es Konzentration, denn das Projekt ist so wunder- wie anspruchsvoll, es hebt den Zauberlehrling Harry auf eine gänzlich neue Ebene seiner Existenz.

Worum geht es? Joanne K. Rowling hat seit Jahren an eine Fortsetzung des "Potter"-Stoffs im Cyberspace gedacht, praktisch seit Erscheinen des siebten und letzten Bandes der Serie, 2007. Sie will, wie sie gestern sagte, ihren "treuen Lesern", die sie noch heute täglich mit Hunderten von Briefen überschütten, einige davon "kreativ anregend", wie sie gestand, zurückgeben, was sie ihr an Anhänglichkeit über die Jahre hinweg gezeigt haben. Seit 2009 dann wuchs die Idee eines interaktiven Lektüre- und Abenteuervergnügens heran, wozu ihr die Digitalagentur die technischen Möglichkeiten eröffnete. Beginnend mit dem ersten Band, "Harry Potter und der Stein der Weisen", werden von nun an Jahr für Jahr sämtliche nachfolgenden Titel in Form von personalisierbaren Abenteuern digital aufbereitet und verfügbar sein. Ein großer Wurf.

Und der sieht so aus: Jeder Willige klickt sich in die Welt dieses ersten Bandes (und der folgenden) ein, gibt seine Grunddaten wie E-Mail, Geburtsjahr etc. an und erhält dann einen Namen, mit dem er auf große Fahrt durch den Stoff gehen kann. Die Autorin hat dafür aus ihrem ersten Band 44 "Momente" ausgewählt, auf die der "Leser" interaktiv antworten muss, um die Fahrt fortzusetzen.

In der Gringotts-Bank beispielsweise muss er auswählen, wie viele Geldstücke er abzuheben gedenkt für sein erstes Semester in Hogwarts, wobei er sich nicht verkalkulieren darf angesichts der Ausrüstung, die er noch benötigt. Als da sind Bücher, Tinkturen, Mischtöpfe und - vor allem - der richtige Zauberstab.

Rowling hat eine große Menge an Neutext geschrieben, meist Hintergrundinformationen zu einzelnen Figuren und Gegenständen, die den Rahmen der Bücher gesprengt hätten. Sie saß auf Hunderten von Notizen und bereits ausgeschriebenen Passagen, die zu verwenden ihr das Digitalzeitalter jetzt die Gelegenheit gibt.

Ergo: Zu Vernon Dursley, Harrys unappetitlichem Ziehvater, erfährt man nun, wie es zu dessen Vornamen kam - den hatte die Rowling immer schon als unattraktiv empfunden. Über Professor Minerva McGonagall, die Leiterin des Hogwarts-Hauses Gryffindor, dem Harry durch den Sortierhut zugewiesen wird, erfährt man Vorgeschichten aus ihrem Leben. Großen Spaß macht sich Rowling mit unendlich anregenden Anekdoten zu einzelnen Zauberstäben, die sich jeweils enthüllen, wenn ein Stab und ein Nutzer sich gefunden haben.

Noch ist Pottermore.com nicht verfügbar, das wäre ja viel zu unabenteuerlich. Die Digitalisten von TH_NK (so schreibt man sich dort) und die Autorin haben sich eine eigene Spannung für den Start ausgedacht. Ab sofort kann man sich bei der Website qua E-Mail anmelden und wird damit bei den Betreibern registriert. Dann rückt der 31. Juli heran, Harry Potters Geburtstag, und an diesem Tag eröffnet "Pottermore" ein Hürdenrennen, ein "Challenge", praktisch ein Internet-Examen, an dem sich das globale Dorf beteiligen kann. Es werden eine Million Gewinner gesucht (je schneller man sich am 31.7. beteiligt, desto aussichtsreicher), die dann das exklusive Recht erhalten, bereits vor der eigentlichen Eröffnung von "Pottermore.com" (eintrittsfrei) im Oktober an dem Cyber-Abenteuer teilzunehmen und eigene Ideen dem Endprodukt beizusteuern.