Russland

Zwei Kinder überleben Flugzeugabsturz

Beim Absturz eines Passagierflugzeugs im Nordwesten Russlands sind mindestens 44 der 52 Menschen an Bord ums Leben gekommen, darunter auch ein Deutscher. Eine Mutter mit ihren beiden Kindern sowie fünf weitere Menschen überlebten den Absturz der Tupolew in der Nacht zu Dienstag mit schwersten Verletzungen, wie das Zivilschutzministerium mitteilte.

Unter den Toten waren drei EU-Bürger. Nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin hatte der Deutsche auch einen russischen Pass.

"Nach ersten Erkenntnissen ist ein Pilotenfehler unter schlechten Wetterverhältnissen offensichtlich. Er setzte nicht auf der Landebahn auf, sondern abseits", sagte Vizeregierungschef Sergej Iwanow am Rande der weltgrößten Luftfahrtschau in Le Bourget bei Paris. Die Chartermaschine der russischen Fluggesellschaft Rusair vom Typ Tupolew Tu-134 zerschellte 400 Kilometer nordöstlich von St. Petersburg nahe der Stadt Petrosawodsk im Landeanflug am Boden.

Unter den Überlebenden waren auch eine Mutter sowie ihr neun Jahre alter Sohn und ihre 14-jährige Tochter, wie Behörden nach Angaben der Agentur Itar-Tass mitteilten. Sie haben schwere Brüche und Verbrennungen. Der Onkel der beiden Kinder erlitt einen Herzinfarkt, als er den Absturz sah. Er wurde wie die Überlebenden ins Krankenhaus von Petrosawodsk gebracht - der Hauptstadt der russischen Teilrepublik Karelien.

Das Flugzeug sei bei dichtem Nebel und schlechtem Wetter gegen 23.45 Uhr Ortszeit (21.45 Uhr MESZ) etwa 700 Meter vor der Landebahn aufgeschlagen, sagte der Generaldirektor des Flughafens, Alexej Kusmizki. Dabei verfehlte die aus Moskau kommende Tupolew um nur etwa 20 Meter ein Wohnhaus, als sie am Boden in Flammen aufging.

"Die Trümmer liegen überall. Wie durch ein Wunder ist in der Nähe der Gebäude niemand verletzt worden", sagte ein Mitglied der Rettungskräfte. Augenzeugen sprachen von einem Bild der Verwüstung und herumliegenden Leichen. Kurz vor der Landung soll auf dem Rollfeld für kurze Zeit die Landebahnbeleuchtung ausgefallen sein, teilten Vertreter der Luftfahrtbehörde mit.

Der Pilot habe auch viel zu früh zur Landung angesetzt. Der Sprecher der russischen Ermittlungsbehörde, Wladimir Markin, sagte, dass die genaue Absturzursache erst nach Auswertung der gut erhaltenen Flugschreiber klar werde. Die Ermittler gingen zunächst drei Möglichkeiten nach: menschliches Versagen, technische Probleme und ungünstige Wetterbedingungen.

Die Regierung von Karelien ordnete drei Tage Trauer an. Präsident Dmitri Medwedjew und Regierungschef Wladimir Putin sprachen beide den Angehörigen ihr Beileid aus.

Das Flugzeug mit 43 Passagieren und neun Besatzungsmitgliedern an Bord war kurz vor Mitternacht Ortszeit in der Provinz Karelien nahe der finnischen Grenze vom Radar verschwunden. Tupolews wurden schon zu Sowjetzeiten gebaut. Nach Darstellung offizieller Stellen war die Unglücksmaschine erst kürzlich gewartet worden.