Interview

"Kerkeling passt zum Format der Show"

Offiziell ist noch nichts, aber die Anzeichen verdichten sich, dass Hape Kerkeling als Moderator von "Wetten, dass..?" Thomas Gottschalk beerben wird. ZDF-Programmdirektor Thomas Bellut sagte dem "Spiegel", Kerkelings Beliebtheit sei "gigantisch". "Und wir verstehen uns gut." Bellut zufolge werde mit zwei Moderatoren verhandelt.

Für Kerkeling spricht: Der Sender hat mit dem 46-Jährigen bereits die Reihe "Unterwegs in der Weltgeschichte" produziert. Den Sechsteiler zeigt das ZDF im Herbst mit dem Entertainer als Präsentator. Kerkeling begibt sich nach Ägypten, Israel, Griechenland, Frankreich, England, Russland, China, Mittelamerika und in die USA sowie auf Deutschlandreise. Merlin Scholz hat sich mit einer Frau unterhalten, die ihn sehr genau kennt: Kerkelings Biografin Alexandra Reinwarth.

Berliner Morgenpost: Frau Reinwarth, es sieht so aus, als müssten Sie Ihr erst kürzlich erschienenes Buch über Hape Kerkeling bald schon wieder überarbeiten.

Alexandra Reinwarth: Ja, wenn er tatsächlich "Wetten, dass..?" machen sollte, dann muss ich wohl schnell einen zweiten Teil schreiben. Aber im Ernst: Hape Kerkeling hat schon so viel gemacht, aber diese Sendung wäre ein absoluter Höhepunkt in seiner Karriere.

Berliner Morgenpost: Und, wissen Sie mehr als wir? Macht er es, oder macht er es nicht?

Alexandra Reinwarth: Ich habe Herrn Kerkeling vor ein paar Wochen in Berlin getroffen, als er in der spanischen Botschaft einen Orden für sein Buch über den Jakobsweg entgegennahm. Natürlich habe ich ihn auf "Wetten, dass..?" angesprochen. Doch es war nichts aus ihm rauszuquetschen. Aber er hat auch nicht "Nein" gesagt.

Berliner Morgenpost: Ein Dementi sieht anders aus.

Alexandra Reinwarth: Ich bin ganz sicher, dass das ZDF mit Kerkeling verhandelt - auch wenn ich es nicht beweisen kann. Dafür passt er einfach zu gut zu dem Format der Show.

Berliner Morgenpost: Geht es nach den Zuschauern, ist die Sache eh klar. In einer Umfrage wünscht sich jeder dritte Deutsche, dass Kerkeling Gottschalks Nachfolger wird. Was macht diesen Mann so beliebt?

Alexandra Reinwarth: Kerkeling ist kein Selbstdarsteller, der sich überall mit irgendwelchen Homestorys anbiedert. Außerdem schafft er es immer wieder, ein großes Publikum an sich zu binden. Über Horst Schlämmer lacht die Oma genauso wie der Punker.

Berliner Morgenpost: Kerkeling hatte bereits im Jahr 1992 die Möglichkeit, "Wetten, dass..?" zu übernehmen. Damals lehnte er ab.

Alexandra Reinwarth: Er war Ende 20, hatte mit "Total Normal" gerade seinen großen Durchbruch. Da kam das "Wetten, dass..?"-Angebot einem Ritterschlag gleich. Trotzdem war es die beste Entscheidung, Nein zu sagen.

Berliner Morgenpost: Warum?

Alexandra Reinwarth: Diese generalstabsmäßig geplante Show hätte zu diesem anarchischen Clown, der als Königin Beatrix verkleidet vor Schloss Bellevue vorfährt, damals überhaupt nicht gepasst. Das "Wetten, dass..?"-Korsett wäre für einen Improvisationskünstler wie Kerkeling viel zu eng gewesen.

Berliner Morgenpost: Am Konzept von "Wetten, dass..?" hat sich seitdem nicht viel geändert.

Alexandra Reinwarth: Aber Hape Kerkeling ist auch älter geworden, gewissermaßen zum Mann gereift, den man als Senderverantwortlicher ohne Bedenken die Showtreppe am Samstagabend herunterkommen lassen kann. Er sagt ja immer, Peter Frankenfeld sei sein großes Vorbild. Heute macht Kerkeling die "Goldene Kamera" genauso souverän wie den Horst Schlämmer.

Berliner Morgenpost: Was spräche dennoch gegen ein "Wetten, dass..?"-Engagement?

Alexandra Reinwarth: Wenn man sich seine Vita anschaut, dann fällt auf, dass er immer wieder Neues ausprobiert, gerne auch Dinge, mit denen niemand gerechnet hat, wie den Jakobsweg. An "Wetten, dass..?" müsste er sich binden, vielleicht bis ans Ende seiner Karriere. Damit hätte er sicher Probleme. Außerdem müsste man sicher am Format ein paar Dinge ändern.

Berliner Morgenpost: Welche?

Alexandra Reinwarth: Ich glaube, dass es Kerkeling gegen den Strich gehen würde, sich mit den internationalen Stars nur über ihren neuen Film oder ihre neue CD unterhalten zu dürfen, ehe sie dann nach ein paar Minuten Promotion wieder zum Flieger müssen.

Berliner Morgenpost: Der Programmdirektor und designierte Intendant des ZDF, Thomas Bellut, sagte im "Spiegel", dass man künftig wohl weniger auf internationale Stars setzen muss.

Alexandra Reinwarth: Das würde Hape Kerkeling entgegenkommen. Wobei es ja nicht so ist, dass er mit Stars nicht kann - im Gegenteil: Wenn Jennifer Lopez bei Hape Kerkeling auftreten würde, könnte es gut sein, dass er sich ein Mikro schnappt und mit ihr ein Duett singt - so wie er es in der "70er Show" bei RTL mit Bonnie Tyler gemacht hat.

Berliner Morgenpost: Nicht jeder internationale Star dürfte so etwas lustig finden. Ist Kerkeling am Ende doch zu frech für das seriöse Format "Wetten, dass..?"?

Alexandra Reinwarth: Glaube ich nicht, denn er hat einen Instinkt dafür, wen er verulken kann und wie weit er dabei gehen darf. Außerdem geht es ihm nie darum, eine Person bloßzustellen. Kerkelings Veralberungen sind immer nur Momentaufnahmen, im nächsten Augenblick switcht er wieder auf den ernsthaften Moderator um.

Berliner Morgenpost: Was macht Kerkeling im direkten Vergleich besser als Gottschalk?

Alexandra Reinwarth: Thomas Gottschalk wird ja oft vorgeworfen, er sei ein schlechter Gesprächsführer, der seine Fragen abspult, ohne auf die Antworten seiner Gäste einzugehen. Wenn Kerkeling mit einem redet, dann hat man für diesen Moment seine volle Aufmerksamkeit. Egal ob man jetzt Baggerfahrer oder Hollywoodstar ist.

Berliner Morgenpost: Welche Rolle spielt die Angst zu versagen? Die Quoten von "Wetten, dass..?" zeigen trotz des Erfolgs von Mallorca nach unten. Was wäre, wenn Kerkeling mit dem sinkenden Schiff untergehen würde?

Alexandra Reinwarth: Sein Vorteil, vielleicht auch gegenüber seinem vermeintlichen Mitbewerber Jörg Pilawa, ist, dass er nach dem Bestseller "Ich bin dann mal weg" schon so viel erreicht hat, dass er sogar einen Misserfolg mit "Wetten, dass..?" verkraften könnte. Er ist gelassener. Denn er hat ja auch schon genug Erfahrung mit Flops. Oder erinnern Sie sich noch an die Fernsehsendung "Cheese" oder den Film "Samba in Mettman"?

Berliner Morgenpost: Nicht wirklich. Wenn man an Hape Kerkeling denkt, hat dafür jeder Kunstfiguren wie Horst Schlämmer oder Uschi Blum vor Augen. Wären diese Parodien mit einer staatstragenden Show wie "Wetten, dass..?" vereinbar?

Alexandra Reinwarth: Wenn man ihn vor die Wahl stellen würde, dann könnte er sich sicherlich nur schwer von diesen Charakteren trennen. Ich finde aber nicht, dass sich "Wetten, dass..?" und Horst Schlämmer zwangsläufig ausschließen. Die Vorstellung, dass er auch in der Show in eine andere Rolle schlüpft, kann ich mir sehr gut ausmalen.

Alexandra Reinwarth: "Hape. Auf den Spuren des lustigsten Deutschen". Riva, 19,99 Euro.