Abwahl gefordert

Bürgerbegehren ein Jahr nach dem Loveparade-Unglück

Knapp ein Jahr nach der Loveparade-Katastrophe mit 21 Toten haben Duisburger Bürger ein Bürgerbegehren zur Abwahl von Stadtoberhaupt Adolf Sauerland (CDU) gestartet. Sauerland trage keine persönliche Schuld, aber moralische und politische Verantwortung, sagte der Sprecher der Gruppe "Neuanfang für Duisburg", Werner Hüsken.

Die Verwaltungsspitze sei immer noch wie gelähmt. Mit Sauerland an der Spitze gebe es keine Normalität für die Stadt. Der Oberbürgermeister wollte die Aktion nicht kommentieren. Der Gesetzgeber habe die demokratische Möglichkeit des Bürgerbegehrens geschaffen, sagte sein Sprecher. Als Demokrat akzeptiere der Oberbürgermeister das.

Sauerland weigert sich zurückzutreten, ein Abwahlantrag hatte im Rat der Stadt die nötige Zweidrittelmehrheit verfehlt, weil die CDU ihn ablehnte. Nach einer NRW-weiten Rechtsänderung ist seit Anfang Juni aber auch eine direkte Abwahl ohne den Rat möglich.

Nötig sind für das Bürgerbegehren zunächst rund 52 000 Stimmen, die in vier Monaten gesammelt werden müssen. Kommen die zusammen, müssten mindestens 25 Prozent der 344 000 Wahlberechtigten in Duisburg für Sauerlands Entlassung votieren.

"Wir sind sicher: Wir können das schaffen", sagte Hüsken. "Die Erwartungshaltung bei den Bürgern ist groß. Viele stehen mit dem gezückten Kugelschreiber da." An einem Unterschriftenstand in der Innenstadt gab es beim Start regen Andrang.

In der Nähe des Unglückstunnels wird demnächst ein Denkmal eingeweiht, für das Bürger rund 26 000 Euro gesammelt haben. Das über zehn Tonnen schwere Mahnmal des Duisburger Künstlers Gerhard Losemann wurde am Montag mit einem Hebekran angeliefert. Es zeigt 21 kippende Stahl-Vierkante vor einer Stahlplatte.