Bombenanschlag

Ikea: Kaum Hinweise nach TV-Fahndung

Der Anruf erreicht die Kieler Polizei gegen 17.15 Uhr am Mittwoch. Die Leiterin der Ikea-Filiale schildert den Beamten, dass eine Mitarbeiterin in der Bettenabteilung einen verdächtigen Gegenstand gefunden habe.

Mehrere Streifenwagen rasen zum charakteristischen Gebäudekomplex des schwedischen Möbelherstellers am Westring. Die rund 50 Mitarbeiter räumen das Möbelhaus, in dem sich zu diesem Zeitpunkt rund 400 Kunden aufhalten. Innerhalb kürzester Zeit ist das Gelände - inklusive der Parkflächen - leer. Ein dreiköpfiges Team des Kampfmittelräumdienstes erreicht die Filiale. Die Sprengstoffexperten in dunklen Overalls und grauen Splitterschutzwesten betreten das Gebäude. In der Bettenabteilung finden sie ein in eine weiße Schaffelldecke eingerolltes Handy. Es funktioniert nicht, weil die SIM-Karte fehlt. Spuren von Sprengstoff finden die Experten nicht. Um 19.30 Uhr, nach zwei Stunden, wird das Möbelhaus wieder geöffnet. Was von dem Polizeieinsatz bleibt, ist zum Glück nur der Schreck.

"Bisher konnten wir keinen Zusammenhang zu der Explosion in der Dresdner Ikea-Filiale feststellen", sagt Oberkommissar Jürgen Börner von der Polizeidirektion Kiel. In Dresden hatte es am vergangenen Freitag bei Ikea eine Explosion gegeben, zwei Personen erlitten ein Knalltrauma. Seitdem fahndet das Landeskriminalamt Sachsen (LKA) nach einem etwa 40-jährigen Mann, der eine beigefarbene Schirmmütze und eine auffallend violette Brille getragen haben soll. Mehrere Bekennerschreiben gingen per E-Mail bei den sächsischen Fahndern ein. Deren Inhalt wird "aus ermittlungstaktischen Gründen" geheim gehalten. Die "Dresdner Neueste Nachrichten" berichtet unterdessen, eine Bekennermail erhalten zu haben. Der Absender habe in gebrochenem Deutsch eine achtstellige Geldsumme gefordert und weitere Taten binnen sieben Tagen angekündigt, wenn er das Geld nicht bekomme. Der Verfasser könnte ein Trittbrettfahrer sein.

Das LKA suchte am Mittwoch die Fernsehöffentlichkeit. In der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY ... ungelöst" präsentierte Moderator Rudi Cerne in knapp zwei Minuten den Fall und rief mit dem Phantombild des gesuchten Mannes Zeugen auf, sich zu melden. Auch auf einen möglichen Zusammenhang der Explosion in Dresden mit Aanschlägen in Belgien, Frankreich und den Niederlanden wies Cerne hin. Die Resonanz blieb jedoch gering. Es gingen nur acht Hinweise ein, wie eine Sprecherin des LKA sagte. Nicht nur die Menge, auch die Qualität der Hinweise dürfte für die Fahnder nicht zufriedenstellend sein: "Nach erster Durchsicht ist der entscheidende Hinweis nicht dabei." Auch DNA-Material vom Tatort führte bisher nicht auf die richtige Spur.

Auch in Kiel laufen die Ermittlungen. Zwar geht die Polizei nicht von einem "strafrechtlich relevanten Hintergrund" aus. Fest steht jedoch: Das Handy ging nicht "durch normales, unabsichtliches Verhalten" in der Kieler Bettenabteilung verloren. Ein Trittbrettfahrer müsste sich in diesem Fall darauf einstellen, die Kosten des Polizeieinsatzes zu tragen.