Urteil

Freispruch für tödlichen Brechmitteleinsatz

Ein Polizeiarzt ist vor dem Bremer Landgericht vom Vorwurf der fahrlässigen Tötung wegen eines tödlichen Brechmitteleinsatzes freigesprochen worden. Der 47-Jährige hatte im Dezember 2004 einem mutmaßlichen Drogendealer Brechmittel und Wasser eingeflößt, um an verschluckte Drogenpäckchen zu gelangen.

Der Mann hatte sich gegen den Würgereiz gewehrt, war ins Koma gefallen und einige Tage später gestorben. "Es ist uns nicht gelungen, eine eindeutige Todesursache festzustellen", sagte der Vorsitzende Richter, Helmut Kellermann, in der Urteilsbegründung. Es spreche vieles dafür, dass während der Prozedur Wasser in die Lunge des Schwarzafrikaners gelangt und der 35-Jährige sozusagen "ertrunken" sei. Gleichwohl habe diese These "erhebliche Schwächen". Beim Einatmen von Wasser wäre laut einem Gutachter ein Hustenreflex ausgelöst worden. "Alle Zeugen haben uns gesagt, es habe kein Husten gegeben", sagte Kellermann. Deshalb gebe es Zweifel an dieser These. "Wir können nur dann verurteilen, wenn wir wirklich überzeugt sind", führte der Vorsitzende Richter aus und fügte hinzu: "Ob wir es richtig gemacht haben, weiß ich nicht, auch wenn der Tod letztlich nicht befriedigend gesühnt werden kann und wird." Kellermann geht nach dem Freispruch nach eigenen Worten davon aus, "dafür Schläge einstecken" zu müssen.

Das Gericht folgte der Forderung der Verteidigung. Keiner der gehörten Gutachter habe eindeutig klären können, wie der Mann auf die Brechmittelvergabe reagiert habe, sagte Verteidiger Erich Joester. Sein Mandant habe sich nach dem Tod des Mannes in Behandlung begeben müssen, um damit fertig zu werden.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine neunmonatige Haftstrafe auf Bewährung gefordert. Auch die Nebenklage hatte eine Verurteilung des Mediziners verlangt. Die Anwältin der Mutter des Toten sagte, sie werde Bedenkzeit nehmen und dann entscheiden, ob sie in Revision gehe. Die Nebenklage hatte schon einmal Revision eingelegt. In einem ersten Prozess war der Arzt Ende 2008 freigesprochen worden. Der Bundesgerichtshof hatte das Urteil 2010 aufgehoben und an das Bremer Landgericht zurückverwiesen. Die Brechmittelvergabe wird inzwischen nicht mehr angewandt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte sie 2006 als Verstoß gegen die Menschenrechtskonvention verurteilt.