Kriminalität

Sklavenhaltung: Frau kannte Täter aus dem Internet

Flüchtete die 20-Jährige durch dieses kleine weiße Fenster? Der Blick durch die Scheibe fällt auf einen schwarz-weißen Totenkopfschal und eine blaue Karojacke. Mehr lässt sich in dem verlassenen Raum nicht erkennen. Die Eingangstür zur Wohnung in dem niedrigen Mehrfamilienhaus mit idyllischem Blick auf den Neckar ist von der Polizei versiegelt.

Die Bewohner, ein Ehepaar mit Sohn, sind seit Mittwoch in Untersuchungshaft. Sie werden beschuldigt, die 20 Jahre alte Frau eingesperrt, misshandelt und mit Gewalt zur Hausarbeit gezwungen zu haben. Auch von einem sexuellen Übergriff ist die Rede.

Die Familie ist bereits wegen eines ähnlichen Falls verurteilt worden. Der 51 Jahre alte Mann wurde 2002 in Heidelberg wegen Misshandlung Schutzbefohlener zu vier Jahren und sechs Monaten verurteilt, die 45 Jahre alte Frau erhielt zwei Jahre auf Bewährung, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Beide bestritten die aktuellen Vorwürfe, der Sohn hat ein Teilgeständnis abgelegt. Die 20 Jahre alte Frau hatte den Minderjährigen über das Internet kennengelernt. Das Opfer hatte sich in der Nacht zum Sonntag mithilfe von Bekannten befreien können und bei der Polizei gemeldet. Eine Gutachterin stellte bei ihr Folgen von Misshandlungen fest.

Die Familie sei im März eingezogen, erzählt der Hausmeister Christian Pöppinghaus. Im Februar habe er die Familie durch die Wohnung des heruntergekommenen Haus mit dem bröckelnden Putz geführt; im März sei sie offiziell eingezogen. Die junge Frau habe er immer nur in Begleitung gesehen, sich aber nichts dabei gedacht. Anzeichen von Misshandlung habe er nicht wahrnehmen können. "Sie ist öfter mit dem Sohn und dem Hund am Neckar entlanggelaufen." Auch eine andere Hausbewohnerin berichtet, die Frau sei immer in Begleitung und nie allein zu sehen gewesen. "Wir dachten, das sei die Cousine des Sohnes."