Vermischtes

Skandal-Politiker entschuldigt sich bei Bill Clinton

Ein aufstrebender Politiker mit sexuellen Verfehlungen sucht Vergebung bei einem Altmeister in dieser Disziplin.

Der Kongressabgeordnete Anthony Weiner, der Fotos von seiner prall gefüllten Unterhose und seiner mit Wachs enthaarten Brust an Internet-Bekanntschaften verschickte, hat sich telefonisch bei Ex-Präsident Bill Clinton entschuldigt, der einst das Oval Office im umgangssprachlichen Gebrauch zum Oral Office machte.

Weiners Ehefrau Huma Abedin, die ihrem Mann trotz des in den Medien mit Spott begleiteten Skandals bislang die Treue zu halten scheint, ist nämlich eine langjährige Freundin der Familie Clinton und Mitarbeiterin von Außenministerin Hillary Clinton. Was der einst mächtigste Mann der Welt dem bis vor wenigen Tagen als aussichtsreicher Kandidat für die New Yorker Bürgermeisterwahlen 2013 gehandelten Weiner sagte, ist nicht überliefert. Clinton hatte 1999 nach seiner zunächst geleugneten Affäre mit einer Praktikantin ein Amtsenthebungsverfahren überstanden: Weiner lehnt nach dem verspäteten Eingeständnis zumindest virtueller Seitensprünge ebenfalls einen Mandatsverzicht ab.

Doch es wird eng für Weiner, der am 26. Mai ein Foto seines im Slip erigierten Penis an eine 21-jährige Frau getwittert hatte, die ihm in dem sozialen Kommunikationsnetzwerk folgte. Der konservative Blogger Andrew Breitbart veröffentlichte das von Weiners offiziellem Twitter-Zugang verschickte Bild. Der Abgeordnete hatte es rasch wieder zu löschen versucht und öffentlich behauptet, seine Facebook-Seite sei von Hackern geknackt worden. Dabei war Facebook zu diesem Zeitpunkt gar nicht in den Fall involviert.

Die Story nahm Fahrt auf, als Weiner in einem Interview mit dem Fernsehsender ABC bei seiner Darstellung von Hackern als Absendern der Nahaufnahme blieb, aber zugleich nicht ausschließen mochte, dass es sich um ein Foto seiner privateren Körperpartien handele. Am Montag veröffentlichte Breitbarts Website biggovernment.com ein weiteres Foto. Es zeigte die Brust eines Mannes. Das Gesicht war abgeschnitten, aber es handele sich erneut um Weiner, schrieb der Blogger. Der Demokrat habe das Bild an eine andere Frau getwittert.

Daraufhin lud Weiner kurzfristig für den Nachmittag zur Pressekonferenz, in der er mit gelegentlich versagender Stimme Lügen eingestand. Das anzügliche Penisfoto stamme entgegen seinen Behauptungen doch von ihm, und er habe es direkt an die Empfängerin in Seattle "als Teil eines Witzes" per E-Mail schicken wollen. Sobald er feststellt habe, dass er es stattdessen "auf Twitter veröffentlicht hatte, geriet ich in Panik, löschte es und behauptete, mein Zugang sei gehackt worden".

Außerdem habe er in den vergangenen drei Jahren mit "ungefähr" sechs Frauen "ungebührliche Konversationen" über Twitter, Facebook, per E-Mail "und gelegentlich per Telefon" geführt. Die meisten dieser "Konversationen" hätten vor seiner Hochzeit stattgefunden. Er habe keine dieser Frauen persönlich getroffen und mit keiner von ihnen eine "körperliche Beziehung" gehabt, versicherte er. Seine Karriere dürfte trotzdem zu Ende sein. Websites behaupten inzwischen, Weiner habe vor wenigen Tagen einen "Pornostar" namens Lee per E-Mail gebeten, ihre offenkundig seit längerer Zeit geführte Online-Beziehung im Falle der Nachfrage von Journalisten zu leugnen.