Unwetter

Die Wetterküche brodelt weiter

Regen, Hagel, Blitz und Schlammlawinen: Das schwülheiße Wetter sorgt in ganz Deutschland für Unwetter. Die "Wetterküche" hat in Nordrhein-Westfalen ein Todesopfer gefordert. Eine 13-Jährige starb am Sonntagabend in Königswinter.

Das Mädchen wurde von einer einstürzenden Gartenmauer begraben. In einem Eifeler Wildpark sind 30 Hirsche vom Blitz erschlagen worden. In Hamburg kam es Montag Abend zu überfluteten Straßen und Kellern.

Noch bis Mittwoch brodelt die "Wetterküche" heftig. Die Schwüle wird dabei mancherorts fast unerträglich sein. Am Montag galten für ganz Deutschland Unwettervorwarnungen des Deutschen Wetterdienstes (DWD).

Der derzeitige Regen ist aber nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein: So extrem trocken war es seit 50 Jahren nicht mehr in Deutschland, wenn man die Monate März bis Mai vergleicht. Das sagte der Leiter des Zentrums für Agrarmeteorologische Forschung (ZAMF), Franz-Josef Löpmeier. Niederschlagsmengen und Bodenfeuchte sind extrem gering. Zugleich ist die Verdunstung extrem hoch, "auch das hat es seit 1960 nicht mehr gegeben", sagte Löpmeier.

Extrem hat sich auch der Wetterwechsel in einigen Regionen abgespielt: Es goss wie aus Kübeln, und binnen Kurzem - teilweise in weniger als einer Stunde - fielen zuweilen die Regenmengen eines ganzen Monats. Nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes kamen in Lennestadt nördlich von Siegen 83 Liter pro Quadratmeter und in Bonn-Roleber 68 Liter herunter. Auch in Bayern schüttete es örtlich regelrecht. Im hessischen Alsfeld fielen zwischen 65 und 101 Liter pro Quadratmeter, sodass Straßenzüge an Venedig erinnerten. Wetterexperten sprechen ab 25 Liter Niederschlag pro Stunde von Unwetter.

Starker Regen setzte mitten im Hamburger Berufsverkehr zahlreiche Straßen unter Wasser und führte zu einem Verkehrschaos. Unter den Regen mischten sich erbsengroße Hagelkörner, es blitzte und donnerte heftig. Keller von Geschäften, Bürogebäuden, Hotels und Theatern liefen voll, U-Bahn-Eingänge und Unterführungen wurden überschwemmt. "Die gesamte Stadt ist betroffen", sagte ein Feuerwehrsprecher. "Wir haben Ausnahmezustand." Am Flughafen gab es kurzzeitig keine Starts und Landungen, eine S-Bahn-Linie war stundenlang lahmgelegt.

"Die schweren Gewitter treten aber nur lokal auf. Das hat zur Folge, dass es auch weiterhin in weiten Bereichen trocken bleibt, sodass die herrschende Dürreperiode noch nicht beendet wird", sagte Helmut Malewski vom DWD. Der Mai war der vierte "erheblich zu trockene Monat in Folge". Mit etwa 41 Liter Niederschlag pro Quadratmeter erreichte der Wonnemonat nur 57 Prozent seines Solls von 71 Litern. Am trockensten war es in Hessen, in Unterfranken, im südlichen Thüringen sowie in einigen Regionen Nordrhein-Westfalens. Seit dem Jahr 1893 hat es in den Monaten März, April und Mai nicht mehr so wenig geregnet. Vor allem die Landwirtschaft leidet unter der großen Dürre. So waren die Wiesen zwar früh "schnittreif", die Erträge an Heu und Gras-Silage aber nur gering.

Das Getreide ist im Wuchs zurückgeblieben, zeigte Ende Mai deutliche Anzeichen der Notreife. Nun aber soll "richtig satt Niederschlag" fallen, kündigt Reik Schaab vom DWD an. "Aber durch die lange Trockenheit sind die Böden gar nicht aufnahmefähig. Die Erdkrume ist wie Beton." Das Wintergetreide und der Raps können von den flächendeckend erwarteten 30 bis 40 Millimeter Regen nicht mehr profitieren.

"Durch die lange Trockenheit sind die Böden nicht aufnahmefähig. Die Erdkrume ist wie Beton"

Reik Schaab, Deutscher Wetterdienst