Rekonstruktion

Air-France-Absturz dauerte dreieinhalb Minuten

Fast auf den Tag genau zwei Jahre nach der Flugzeugkatastrophe über dem Atlantik mit 228 Toten haben die französischen Ermittler die letzten Minuten des Fluges AF 447 rekonstruiert.

Der Absturz des Airbus auf dem Weg von Brasilien nach Frankreich habe dreieinhalb Minuten gedauert, teilten die Luftfahrtermittler mit. Der Pilot hatte das Cockpit demnach wenige Minuten zuvor verlassen, um sich auszuruhen.

Das Flugzeug der Air France sei auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris in eine Schlechtwetterfront geraten, auf das die beiden Co-Piloten die übrige Besatzung noch hingewiesen hätten. "Wir müssten in eine Zone geraten, in der es ein bisschen höher als jetzt hergeht", sagte ein Co-Pilot nach Angaben der Luftfahrtermittlungsbehörde (BEA). Während der Turbulenzen seien dann widersprüchliche Geschwindigkeitsanzeigen auf den Bildschirmen im Cockpit erschienen. Eine Anzeige habe die Piloten auf einen "brutalen Abfall" der Geschwindigkeit hingewiesen, erklärte die Behörde.

Die Co-Piloten hätten nach dem Kapitän gerufen, der sich ausruhen gegangen sei - bei einem Flug mit dieser Art der Besatzung ist es üblich, dass jeweils einer der drei Piloten sich hinlegen kann, sofern die beiden anderen im Cockpit bleiben. Erst nach mehrmaligem Rufen sei der Kapitän zurückgekommen, erklärte die BEA. Das Steuer habe er von dem Co-Piloten aber nicht übernommen. "Wir haben überhaupt keine verlässliche Angabe mehr", sagte einer der Co-Piloten knapp zweieinhalb Minuten vor Ende der Aufzeichnungen. Die Besatzung habe die abstürzende Maschine mit einem "klassischen" Verfahren zu retten versucht, das in der Ausbildung gelehrt werde. Dieses Vorgehen sei aber "ungeeignet und wirkungslos" gewesen. "Ich verstehe gar nichts", habe einer der Piloten kurz vor dem Aufschlagen des Flugzeuges auf der Meeresoberfläche gesagt.