Sprachenkonflikt

U-Bahn verbannt nach Beschwerden französische Musik

Ausgerechnet die Stücke des belgischen Ausnahme-Chansonniers Jacques Brel dürfen in Brüssels U-Bahnhöfen nicht mehr gespielt werden - und auch sonst keine Lieder in den Landessprachen Französisch oder Flämisch.

Grund sind Beschwerden von Fahrgästen, wie eine Sprecherin des Metro-Betreibers Stib der flämischen Zeitung "De Morgen" sagte. "Zig Beschwerden" habe es nach dem Abspielen einiger französischsprachiger Stücke im April gehagelt, die Fahrgäste forderten darin auch flämischsprachige Lieder. Da es jedoch zu wenige flämische Hits gebe, wird nun ganz auf Französisch und Flämisch verzichtet, führte die Sprecherin aus. Stattdessen sollen die Bahnhöfe der Metro künftig tagsüber ausschließlich mit englischen, italienischen und spanischen Songs beschallt, ab neun Uhr abends wird dann ohnehin nur noch klassische Musik ohne Gesang gespielt. Flämische und frankofone Künstler würden jedoch nicht ganz verbannt, sagte die Sprecherin zu "De Morgen". Ihre Stücke könnten sehr wohl in die Auswahl kommen, unter der Bedingung, "dass sie auf Englisch gesungen sind".

Der Musik-Streit ist ein weiteres Kapitel im endlosen Konflikt zwischen französischsprachigen und flämischen Belgiern. Die Hauptstadt ist zwar offiziell zweisprachig, wird aber de facto von den Frankofonen dominiert. Ein Streit über Regeln zur Verwendung der Sprachen stand auch am Anfang der Regierungskrise, die Belgien seit April 2010 belastet. Neben Frankofonen und Flamen hat das Land im Osten eine kleine deutschsprachige Minderheit. Im Konflikt geht es vor allem um die Rechte der französischsprachigen Belgier, die im Umland von Brüssel wohnen. Das Umland gehört zu Flandern, wo gewöhnlich Niederländisch gesprochen wird.