Interview: Berti Vogts

"Es ist unglaublich, was hier los ist"

Seit April 2008 ist Berti Vogts Trainer der Fußball-Nationalmannschaft von Aserbaidschan. Der 64-Jährige, mit dem Deutschland 1996 bei der Europameisterschaft seinen letzten großen Titel gewann, genießt dort hohes Ansehen. Den Grand Prix verfolgte er live in der Hauptstadt Baku. Mit ihm sprach Lars Gartenschläger.

Berliner Morgenpost: Herr Vogts, wie ist die Stimmung in Aserbaidschan?

Berti Vogts: Ich übertreibe nicht, wenn ich Ihnen sage, dass es so ist, als würden die Deutschen den Gewinn der Fußball-WM feiern. Es ist unglaublich, was hier los ist. Ich komme gerade vom Fußball-Meisterschaftsfinale der Mädchen. Da haben die Menschen auf den Rängen immer wieder das Siegerlied gesungen. Das war eine einzige Feier. Es ist ein tolles Gefühl für dieses Land. Auf den Straßen hörst du immer nur "Song Contest, Song Contest" oder "Danke, Deutschland".

Berliner Morgenpost: Hatte sich Aserbaidschan im Vorfeld Chancen auf den Sieg in Düsseldorf ausgerechnet?

Berti Vogts: Ich denke nicht. Der Sieg hat die Menschen hier schon etwas überrascht. Jetzt freuen sie sich aber darauf, ihr Land im kommenden Jahr präsentieren zu können. Das bedeutet den Aserbaidschanern viel.

Berliner Morgenpost: Wie wirken denn Land und Leute auf Sie?

Berti Vogts: Der Aserbaidschaner ist, so habe ich das Gefühl, ein sehr zurückhaltender Mensch, der immer wieder gefordert werden muss. Es ist gut, dass das Land nun die Möglichkeit hat, auf sich aufmerksam zu machen.

Berliner Morgenpost: Durch den Song Contest 2012 bietet sich eine gute Gelegenheit.

Berti Vogts: Absolut. Die Aserbaidschaner sind sehr warmherzig, aber auch stolz. Hier und da glauben sie, alles allein machen zu können. Aber das geht natürlich nicht immer. Deshalb hoffe ich zum Beispiel, dass sie mit Blick auf den Song Contest im kommenden Jahr auch etwas von den Deutschen übernehmen. Ich hoffe, dass Aserbaidschan die Chance nutzt und den Menschen in Europa das Land näherbringt.