Landwirtschaft

Deutschland wartet auf Regen

Der April war außergewöhnlich heiß und trocken. Im Bundesdurchschnitt fiel lediglich ein Drittel des durchschnittlichen Niederschlags. Das hört sich extrem an und beschert in der Tat den Bauern Sorgenfalten im Gesicht. Auch den Binnenschiffern: Der Rheinpegel ist derzeit nur zehn Zentimeter über dem Stand des Jahres 1921, dem tiefsten April-Wert.

Vollkommen neuartig sind solche Schwankungen der Regenmenge jedoch nicht. Beim Niederschlag sind starke Abweichungen vom Mittelwert weit häufiger als bei den Temperaturen. Ein Drittel oder das Dreifache des langjährigen Monatsmittels werden öfters berichtet.

Dennoch sind selbst im Osten Deutschlands keine Anzeichen festzustellen von Verwüstungen in dem Ausmaß, wie sie manches Computerszenario anzeigt. Die Grundwasservorräte sind entgegen vielfachen Erwartungen stabil, an der langfristigen Niederschlagsmenge hat sich wenig geändert. Auch hatte jener Sandsturm, der im April in Mecklenburg-Vorpommern zur Massenkarambolage auf der Autobahn führte, bei Lichte betrachtet weniger mit einer außergewöhnlichen Wetterlage zu tun als mit moderner Energiepolitik: Wenn der Bauer nicht mehr "im Märzen" sein Brotgetreide aussät (oder sogar schon im Herbst zuvor den Winterweizen), wenn der Mais fürs Biogas erst im Mai aufs Feld kommt, gibt es für den trockenen Boden kein Halten mehr, falls der Wind dann mal etwas stärker bläst.

Gerade die Kombination von Trockenheit und Wind verschärft für die Bauern das Problem. Wasser aus länger zurückliegendem Regen, das sich vielleicht noch im Boden halten könnte, wird in diesem Jahr vom Wind zügig aus der Scholle getrieben. Die Bauern im Norden des Landes sprechen bereits von Ernteeinbußen in Höhe von 25 Prozent.

Der ausbleibende Regen ist indes nicht das einzige Problem, das den Bauern in diesem Jahr zu schaffen macht. Der Frost, den die Winzer zur späten Erntezeit so schätzen für die Produktion ihres Eisweins, hat ihnen Anfang Mai womöglich einen Teil ihrer Ernte zerstört. Die Eisheiligen, die dieses Jahr besonders kalt ausfielen, waren besonders für die Winzer in Franken und Hessen verheerend. Nach ihren Schätzungen haben sie im Durchschnitt etwa die Hälfte der Ernte verloren. Auch die Obstbauern klagen. Zwar hatten die meisten Bäume ihre Blüte schon hinter sich, doch die hartnäckigen Minusgrade über allzu lange Nacht- und Morgenstunden haben viele Keime nicht überstanden.

Die Kälte dürfte in den nächsten Monaten nicht wieder zurückkehren. Ins Haus steht uns zwar das nächste Tief: Für diesen Donnerstag sagt der Deutsche Wetterdienst vor allem im Südosten länger anhaltenden Regen voraus, während es im Norden und Westen des Landes nur zu gelegentlichen Schauern kommen werde. Ab Samstag sollen zunächst nur im Süden, später auch im Osten gewittrige Schauer und teilweise kräftige Regenfälle niedergehen. Doch für das letzte Drittel des Mais sagt der Wetterdienst wieder ansteigende Temperaturen vorher.