Teure Vermählung

Die prunkvolle Millionenhochzeit auf dem Dorf

1000 Flaschen Champagner ploppten auf Istanbuls schwimmender Schwimmbad-Insel "Suada" auf, Feuertänzer wirbelten am Poolrand, und im Wasser räkelten sich aufreizende Nixen in durchsichtigen Plexiglaskugeln, während 500 eingeflogene Gäste tanzten und sich gegenseitig Cocktails aus Spritzen in den Mund sprühten.

"Stahlkönig" Lakshmi Mittal, reichster Mann Großbritanniens und sechstreichster Mann der Welt, hat der Tochter seines Bruders Pramod, Vartika Mittal, eine Traumhochzeit in Istanbul ausgerichtet. Der glückliche Bräutigam heißt Utsav Goenka, ebenfalls aus einer reichen indischen Händlerfamilie in London. Die Namen sind weniger bekannt als die von Prinz William und Kate Middleton, aber die Hochzeit selbst war, drei Tage lang, eine sehr viel ausgedehntere und offenbar auch spaßigere Sache als das Fest der britischen Royals. Dabei war es noch bescheiden - jedenfalls im Vergleich zur wochenlangen Pariser Hochzeit von Lakshmi Mittals eigener Tochter Vanisha im Jahr 2004. Die soll irgendwas zwischen 60 und 78 Millionen Dollar (zwischen 41 und 53 Millionen Euro) gekostet haben.

Vartikas Istanbuler Märchenhochzeit dagegen lag bei "deutlich weniger als zehn Millionen", sagt Cantekin Temizer vom Veranstalter Meptur. Dabei seien die Kosten für Hotel und Anreise der 500 geladenen Gäste inbegriffen - allein dieser Posten kam auf rund 2,5 Millionen Euro.

20 indische Köche waren eingeflogen worden, und auch die Zutaten für das Festessen. Bescheiden die Einladung, nur zehn Seiten statt der damaligen 20-seitigen, in Silber gefassten Einladungen zu Vanishas Hochzeit, mit Jadeschmuck und Diamantuhr. Gastgeschenke gab es diesmal nicht, "nur von örtlichen Kunsthandwerkern handgearbeitete Silberteller für jeden Gast", sagt Temizer. Die Vorbereitung der Hochzeit nahm acht Monate in Anspruch, jedes Element des Showprogramms wurde eigens vom Veranstalter kreiert. Am ersten Tag "osmanisch" geprägt, die 1000-Champagnerflaschen-Nacht auf "Suada" nach Temizers Charakterisierung dagegen "eher minimalistisch, mehr europäisch".

Die Brautleute kennen sich offenbar von Kindheit an. Es sollte nach ihrem Willen prunkvoll, aber dennoch "bescheiden" sein, eine Hochzeit "wie auf dem Dorf", nur eben in Palästen.

Genauer gesagt, im historischen Istanbuler Ciragan-Palast, einem Hotel der Kempinski-Kette. In dessen Hallen schritt der Bräutigam der Braut entgegen, die unter einem Baldachin aus Rosenblättern herantrippelte, dessen Stangen von ihren vier Brüdern gehalten wurden. In den Hallen, denn draußen regnete es. Es regnete auch zum champagnergetränkten Wasserfest auf der Schwimmbad-Insel, es war kalt und nass, auch am Dienstag, als ein "osmanisches" Unterhaltungsprogramm im Said-Halim-Palast geboten wurden, nach einer Bootstour an tanzenden Derwischen vorbei. Details sind wichtig, aber ob die Organisatoren den Brautleuten erzählten, was der türkische Volksmund über den Ciragan-Palast sagt?

Schwierige Ortswahl

Er ist ein verfluchtes Haus, erzählt man sich. Zwei Mal brannte der eigentlich gar nicht so alte Prachtbau ab, vier Mal wurde er abgerissen und neu aufgebaut. Zuletzt wollte dort niemand mehr bauen, er stand jahrzehntelang als Ruine da. Bis japanische Investoren eine Chance witterten und daraus das Kempinski-Hotel machten. Von einem der britischen Ingenieure, die den Umbau leiteten, hört man die folgende Geschichte: Er hatte während der Bauarbeiten eines Nachts einen Albtraum. Darin stand er auf der Baustelle, als ein kleines Mädchen zu ihm kam und klagte: Warum habt ihr mich allein hiergelassen und meine Familie fortgebracht? Als die türkischen Arbeiter vom Traum hörten, legten sie die Werkzeuge nieder und verweigerten die Arbeit, bis der Ingenieur ihnen die Stelle zeigte, an der er sich im Traum gesehen hatte. Sie fingen an, dort zu graben, und fanden das Skelett eines kleinen Mädchens. Sie erzählten dem Ingenieur, was man von diesem Ort weiß: dass der Palast auf einem Friedhof gebaut wurde. Die Gräber hob man vorher um. Das Grab des kleinen Mädchens muss man damals vergessen haben. Es wurde umgebettet in den Friedhof, in dem auch die Überreste ihrer Angehörigen ruhen.