Rettungseinsätze

Der lebensgefährliche Job von Prinz William

Es gab eine Überschrift in der gestrigen Sonntagspresse, welche die Haltung der Öffentlichkeit gegenüber den "eingeheirateten" Royals, der bürgerlichen Familie Middleton, ideal spiegelte: "Poised Team Middleton quietly storms Palace" - Team Middleton in all seiner Grazie erobert ruhig den Buckingham-Palast.

In der Tat standen neben dem Brautpaar die Eltern von Catherine sowie ihre Schwester Philippa ("Pippa") und Bruder James im Mittelpunkt der Ereignisse rund um den 29. April. Ihre lächelnde Gelassenheit gewann überall höchstes Lob.

Es bestätigte einen Eindruck, den die Gesellschaft schon vor der Hochzeit gewonnen hatte: Bürgertum von dieser Klasse ist eine Bereicherung für den Windsor-Clan. Das betraf die Art, wie der 23-jährige Bruder, James, in der Westminster-Abtei die Lesung aus dem Paulus-Brief an die Römer vortrug - langsam, jedes Wort betonend; es galt auch für Pippa und ihren Charme; und es galt nicht weniger von den stolzen Eltern, die ohne jeden Show-Effekt ihre neue Ehre trugen.

Mit solch guten Noten eingeführt, wird es nicht schwerfallen, diese Familie in das Hofleben, wenn immer sich die Gelegenheit dazu ergibt, einzubauen. Das wird ohnehin diskret vor sich gehen - schließlich sind die Middletons aus Bucklebury quasi Nachbarn von Schloss Windsor, der Hauptresidenz der Queen, beides Adressen in der Grafschaft Berkshire westlich von London. William, der seine Braut auf dem Familien- und Freundesfest am Freitagabend "meinen Fels" nannte, ist seinerseits für Catherine ein wichtiger Schutzschild, der alles abhalten wird, was die Einbettung seiner Frau und deren Familie in das Windsor-Milieu erschweren könnte. Ganz gewiss wird es keine Wiederholung jener Erfahrungen geben, die seine Mutter, Diana, machen musste, die so gut wie allein gelassen war in der ihr unvertrauten Hofwelt und daran zerbrach.

Ohnehin ist das Leben bei Hofe einstweilen nicht akut, denn Prinz William ist ein voll berufstätiger Royal, der noch vor der auf später verschobenen Hochzeitsreise seinen Einsatz als Hubschrauberrettungspilot in Nordwales wieder aufnehmen möchte. Der Beruf ist gefahrvoll und in seinen technischen Ansprüchen nur zu leisten, wenn man nicht zu lange mit dem Training aussetzt. Auch das ist eine Frage der Sicherheit, entscheidend für den Thronfolger. Währenddessen kann die Herzogin von Cambridge das Leben der Offiziersehefrau erlernen.

In vielen Kreisen wird die Frage gestellt, warum die königliche Familie den übernächsten Erben der Monarchie überhaupt einen solch gefährlichen Beruf ausüben lässt; er bringt Einsätze mit sich bei jedem Wetter, auf See oder in den Bergen. Nun sind zwar militärische Laufbahnen bei den Windsors nichts Unübliches - Prinz Philipp war bei der Navy und trainierte als Pilot, ebenso wie sein Sohn, Prinz Charles. Auch Harry, Williams Bruder, hat das Captain-Patent, aber bei den Truppen, nicht bei der Royal Air Force (RAF); im Frühjahr 2010 war er sogar drei Wochen im Einsatz in Afghanistan - inkognito, bis eine Indiskretion seiner Stationierung dort ein Ende setzte.

Prinz William ist noch bis 2013 bei der RAF verpflichtet. Bisher besitzt er die Berechtigung zu Flügen als Begleiter, doch steht er bereits an für den Lehrgang für eigenständige Einsätze. Solchen Risiken hat man in der Vergangenheit die Thronerben der direkten Folge nicht ausgesetzt; offenbar hat sich William, auch gegenüber seinem Vater, durchsetzen können.

Der Hof kann also auf seine Dienste im Namen der Krone fürs Erste nicht viel bauen. Immerhin werden er und Catherine im Juli ihren ersten Staatsbesuch in Kanada absolvieren. Bis dahin will das Paar seine zweiwöchige Hochzeitsreise "in Übersee", wie es heißt, nachgeholt haben - wohin, bleibt bis auf Weiteres streng gehütetes Geheimnis.