Hochzeit des Jahres

Wie es nach der Hochzeit weiterging . . .

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Die Queen war "not amused". Allerdings nicht wegen des Inhalts der heiß erwarteten Worte von Prinz Harry, sondern weil sie, wie vorher angekündigt, schon nach dem Champagnerempfang im Buckingham-Palast mit Prinz Philip nach Windsor abreiste und sich so selbst um die Gelegenheit des komischen Höhepunkts englischer Hochzeiten brachte: die Rede des Trauzeugen beim Dinner am Abend.

Angeblich soll Chelsy Davy, südafrikanische Farmerstochter und immer mal wieder die Freundin von Prinz Harry, ihm beim Formulieren seiner Rede auf den Bräutigam geholfen haben. Vielleicht reicht ein Detail von Chelsy aus, um sich ungefähr vorzustellen, was dann dabei herausgekommen ist: Ihre Handtasche, die sie in der Westminster Abbey trug, war von Mark Lana, einer von Lady Dianas Lieblingsdesignerinnen. Eine Clutch aus Alligator. Nun ja, ein bisschen zu viel des Guten eben. Harry hatte angekündigt, dass er die Rede entschärfen würde, wenn er sie in Anwesenheit seiner Großmutter vortragen müsste. Im Internet erklärten nicht näher genannte Quellen, von denen es dieser Tage viele gibt, die Königin sei nicht von der Rede ihres Enkels, sondern von der Idee, Popmusik im Palast zu spielen, verscheucht worden. Die Quellen wussten auch etwas von Disco-Kugeln, die im Ballsaal hingen und DJs, die der Party einheizen sollten. Eine offizielle Stellungnahme des Königshauses gab es zu all dieser vermuteten Modernisierung selbstverständlich nicht.

Tränen für die Königin

Auf der Hochzeit am Freitag haben sich die Engländer wieder neu in ihre Königin verliebt. Das "Ich will" von Braut und Bräutigam wurde vor den Bildschirmen vor allem mit Jubel begrüßt, aber bei "God save the Queen" flossen Tränen. Vielleicht wollte die Königin es nicht gleich übertreiben und hat deswegen die Rolle der Disco-Queen abgelehnt. Wild soll es aber zugegangen sein an diesem Abend im Königsschloss. Diejenigen, die bis drei Uhr morgens vor dem Buckingham-Palast ausgeharrt hatten, konnten auf jeden Fall berichten, dass ein paar der letzten der 300 Gäste sich im Auto geküsst hätten. Mit Bildmaterial belegt ist allerdings nur dieses: Der Prinz trug einen Smoking, die Herzogin von Cambridge ein wie das Hochzeitskleid von Sarah Burton designtes, weiß schimmerndes Kleid und einen Angora-Bolero. Und sah damit erneut sehr elegant und nach englischer Party aus. Der einzige Mode-Fauxpas der Nacht: Prinz Harry verließ die Hochzeit ohne Fliege und mit den obersten drei Hemdknöpfen offen. Das ist angesichts der Verkleidungskünste, die dieser Prinz der Welt sonst so zumutet, aber zu verkraften.

Ihrem ältesten Enkelsohn hat die Queen offenbar mehr zugetraut. Prinz William durfte seine Rede schon am Nachmittag in ihrer Anwesenheit und der von den 650 Hochzeitsgästen halten. Sie reihte sich in die Tradition der Vater-und-Sohn-Reden ein.

Sehr seltsame Witze

Prinz Charles hatte Witzchen über die zunehmende "Krone" auf dem Kopf seines Sohnes gemacht, womit er auf den sichtbaren Haarverlust anspielte, der Bräutigam dankte es ihm mit Anspielungen auf Charles' zunehmende Taille. Der Thronfolger sprach die Hoffnung aus, sein Sohn würde sich im Alter um ihn kümmern, nur das könnte dann so aussehen: William schubst den Rollstuhl des Vaters über eine Klippe. Der Humor dieser Reden erschließt sich dem Fremdling nicht sofort. Doch es wurde natürlich auch ernst: William sprach über seine Liebe zur Braut und über den großen Wert von Familie.

Am Samstagmorgen verließen die Frischvermählten dann sichtlich entspannt mit dem Helikopter der Royal Air Force den Palast - allerdings nicht in die Flitterwochen, sondern nur zu einem Wochenende an einem unbekannten Ort im Königreich. Prinz William, so ließ der Palast mitteilen, wird in der kommenden Woche wieder seine Arbeit als Rettungshubschrauberpilot bei den Streitkräften antreten. Im Ausland geflittert wird zu einem späteren Zeitpunkt, wann und wo, wurde nicht mitgeteilt. Die Medien versuchten stattdessen, so viele Details wie möglich des vorangegangenen Tages zu vermelden: Die Hochzeitstorte war achtstöckig und mit 900 symbolträchtigen Blumen aus Zuckerguss bestückt. Von der Menüfolge des Dinners - zur Vorspeise Krabben, zum Hauptgang Lamm, zum Nachtisch Eis - wurde viel geschrieben sowie über die angeblich später gereichten Sandwiches mit Wurst und Schinken, auf denen Harry bestanden haben soll. Doch mehr drang aus dem Palast leider nicht heraus - nichts, bis auf das Wummern der Bässe und das nächtliche Feuerwerk, welches das Ende der Party auf Londons Himmel verkündete.

Und so musste man sich auf Gerüchte verlassen: Charles habe in seiner Rede seine Freude über die Schwiegertochter ausgedrückt. Sie sei die Tochter, die er nie hatte. Harrys Rede sei großartig lustig gewesen. Warum, blieb leider unklar.

Die Braut und der Zwerg

Ein einziger Witz hat es angeblich nach draußen geschafft: Sein Großvater, der Duke of Edinburgh, sähe neben der Braut aus wie ein Zwerg. Nun ja. Wichtig ist: Alle glauben fest daran, dass Harry sehr lustig und respektlos war. Vielleicht deswegen, weil es das ist, was man von Harry erwartet. Und so passt der Glaube an die spektakuläre Rede gut in das Gesamtbild dieser Hochzeit, mit der die Queen sich mit ihrem Volk versöhnt. Die Hochzeit von Prinz William und Kate Middleton ist ein Wunsch, der wahr geworden ist.