Trabant

Das Aus für den deutschen Sputnik

Der Anfang schien unter einem guten Stern zu stehen: Sein Name stand für einen großen Erfolg des "sozialistischen Bruderstaats" Sowjetunion. 1957 war das Jahr des "Sputnik", jener kleinen Raumkapsel, mit der die UdSSR damals den Amerikanern zeigte, wo es langgeht im Weltraum.

Da dies auch das Geburtsjahr des berühmtesten DDR-Autos war, ergab sich aus einer Umfrage zu dessen Namen - so sagt es jedenfalls die Legende - eine Mehrheit für die deutsche Übersetzung von Sputnik: "Trabant".

Je nach Mentalität und Tagesform von Fahrer und Auto wurde der kleine Zweitakter geliebt, belächelt oder verteufelt von den DDR-Bürgern, die über all die Jahrzehnte kaum eine Alternative beim Autokauf hatten, mal abgesehen vom größeren und teureren Bruder Wartburg. Manche von ihnen erfüllte es mit Stolz, wenn sie - Zweitaktmotoren können flott sein - auf der Transitautobahn mal einen VW-Käfer abhängten. Andere plagte dann doch der Neid, wenn sie damit an der Raststätte neben dem Opel Kapitän einparkten. In der weiten Fläche der DDR erübrigten sich solche Gefühle, da waren alle nur noch "Trabbi".

24 Jahre lang prägten die Modelle P 50 mit 18 PS (bis 1963) und P 60 mit 23 PS (1964 bis 1991) das Straßenbild der DDR, bis sich schon vor der Wende abzeichnete, dass es so nicht mehr weiterging: Bei einem Kaufpreis von 18 900 Mark (für so viel Geld bekam man im Westen damals schon einen Wagen der unteren Mittelklasse) und einer Lieferzeit von 26 Jahren (fast eine Menschengeneration) waren die Bedingungen allzu absurd für diejenigen, die sich im Jahr 1989 als Anwärter für einen neuen Trabant registrieren ließen. Zeichen dafür, dass es im Automobilwerk Sachsenring Zwickau schon lange nicht mehr rund lief, nachdem nun auch längst die Amerikaner die Russen im Weltraum überholt hatten und auf dem Mond gelandet waren und keiner mehr etwas von Sputnik oder Trabant wissen wollte. Auch als zum Schluss VW-Motoren die Zweitaktmaschine unter seiner Haube ablösten, war der Trabbi nicht mehr zu retten. Am 30. April 1991, heute vor 20 Jahren, lief der letzte seiner Art vom Band: ein pinkfarbener Kombi ("Universal").

Mit der DDR war das wohl bekannteste Symbol ihrer Eintönigkeit untergegangen. Eintönigkeit in der Breite: Fast alle hatten dasselbe Auto, was Protz und Neid bremste und deshalb manchem heute beim Anblick eines Trabants aus Rührung eine Träne entlockt. Eintönigkeit aber auch in ihrem Zeitenlauf: Nennenswerte Innovationen kamen nicht infrage, wurden von den SED-Politikern aus Sparsamkeit ausgebremst, obwohl die Ingenieure, wie es heißt, solche durchaus in der Schublade hatten. Irgendwann kam mal ein neues Lenkrad aus Hartschaumstoff, ein anderes Mal eine elektrische Scheibenwaschanlage. Trabbi-Historiker zählen über die Jahrzehnte insgesamt 17 solcher Verbesserungen. Als Unterscheidungsmerkmale blieb bei der Bestellung lediglich die Wahl eines "S" - für "Sonderausstattung" - mit einer Chromleiste und Zweifarben-Lackierung. Das war's.