Air-France-Maschine 447

Flugschreiber verzweifelt gesucht

Eine Bergungsmannschaft hat am Mittwoch eines der Gehäuse der Flugschreiber der Air-France-Maschine gefunden, die am 1. Juni 2009 auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in den Atlantik gestürzt war. Allerdings war das Gehäuse leer.

Jener Teil, der das Speichergerät mit den Datenaufzeichnungen des "Flight Data Recorder" (FDR) enthält, fehlte, sagte ein Sprecher der französischen Untersuchungsbehörde Bureau des Enquêtes et Analyses (BEA) am Mittwochnachmittag in Paris. "Während des ersten Taucheinsatzes des Unterwasser-Roboters Remora 6000, der mehr als zwölf Stunden dauerte, wurde das Chassis des Flugschreibers ohne das Modul gefunden, welches die Daten schützt und enthält", teilte die BEA weiterhin mit.

Unklar bleibt, wo das wichtige Speichermodul ist. Die Untersuchungen dauern an. Am Mittwochmorgen habe ein zweiter Tauchgang begonnen, teilte die Behörde mit. Seit Dienstag befindet sich das 140 Meter lange französische Kabelschiff "Ile de Sein" in etwa an jenem Ort im Atlantik, wo der Air-France-Flug AF 447 auf dem Weg von Rio de Janeiro nach Paris abstürzte. Alle 228 Passagiere und Besatzungsmitglieder kamen bei dem Unglück vor zwei Jahren ums Leben.

Die "Ile de Sein" kann aufgrund ihrer gewaltigen Schubkraft und feinmotorischer Steuerung stundenlang an derselben Stelle im bewegten Meer verharren. An Bord sind 68 Mann Besatzung, darunter zahlreiche Bergungsexperten, die nun Wrackteile, Leichen und vor allem die Flugschreiber der Maschine heben sollen. Anfang April konnte das Wrack endlich lokalisiert werden, nachdem man zwei Jahre lang vergeblich tausende Quadratkilometer Meeresgrund mit Sonargeräten und Tauchrobotern abgesucht hatte. Die Leiter der Operation hoffen, die Flugschreiber des Airbus einigermaßen unversehrt bergen zu können, um so die Ursache für den nach wie vor rätselhaften Absturz der Maschine zu ermitteln. Aufschluss erhofft man sich vor allem von den Daten des Cockpit Voice Recorders (CVR), mit dem die Gespräche im Cockpit aufgezeichnet wurden, sowie vom Flugdatenschreiber (FDR).

Der Fund wirft neue Fragen auf

Es ist jedoch ungewiss, ob die beiden Flugschreiber zwei Jahre in 3900 Meter Tiefe überstehen konnten, ohne Schaden zu nehmen. Der Fund des leeren Gehäuses des FDR ist jedenfalls kein Anlass für gesteigerten Optimismus - und er wirft neue Fragen nach dem Verbleib des Inhalts auf. Normalerweise sind die Black Boxes dafür ausgelegt, einem Aufprallschock von 3400 G, Temperaturen von 1100 Grad und etwa sechs Monate lang dem Wasserdruck in einer Tiefe von bis zu 6000 Metern standzuhalten.

Am Dienstag hatte die Besatzung der "Ile de Sein" zunächst einen Testtauchgang mit einem Tauchroboter durchgeführt. Mini-U-Boote hatten das Areal dann systematisch abgesucht und rund 15 000 Fotos aufgenommen. Auf den Bildern sind unter anderem größere Teile der Kabine, des Fahrgestells und der Triebwerke zu erkennen. Zwar waren die Flugschreiber selbst auf den Bildern nicht auszumachen, doch jene Teile des Flugzeugs, in denen sie sich befinden, konnten identifiziert werden.

Sollten die Flugschreiber nicht gefunden werden oder keine verwertbaren Informationen mehr hergeben, sollen so viele Wrackteile wie möglich geborgen und am Sitz der BEA am Flughafen von Le Bourget in der Nähe von Paris analysiert werden. Insbesondere von den Bordcomputern und den Rudern versprechen sich die Techniker Aufschluss über den Absturzhergang. Bislang gilt ein Versagen der Geschwindigkeitssonden als plausibelste Theorie zur Erklärung der Katastrophe. Nach allem, was bisher bekannt ist, führte das Versagen der Sonden zu einem plötzlichen Geschwindigkeitsverlust oder aber zu einer fehlerhaften Beschleunigung der Maschine. Die abrupte Änderung könnte dann zu einem Abriss des die Maschine tragenden Luftstroms geführt haben.

Dieses Szenario legt der Absturzverlauf nahe. Die Maschine befand sich um 2.10 Uhr in einer Höhe von 35 000 Fuß und stürzte dann offenbar wie ein Stein vom Himmel. Vier Minuten später schlug sie nur fünf Seemeilen entfernt von der letzten Position auf dem Meer auf. Das heißt, dass der Airbus 330 etwa 7000 Fuß pro Minute an Höhe verlor. Das sind mehr als 2100 Meter Höhenverlust in 60 Sekunden. Aus der Tatsache, dass die Wrackteile in einem relativ eng umrissenen Gebiet zu finden sind, folgern die Investigatoren, dass die Maschine erst beim Aufprall auseinander gebrochen ist.

In den relativ intakten Kabinenteilen waren auf den Bildern der Tauchroboter offenbar auch mehrere Dutzend Leichen erkennbar. Teilweise saßen die Opfer noch angeschnallt in ihren Sitzen. Sie sollen nun geborgen und identifiziert werden. Ob dies nach zwei Jahren und bei einer Tiefe von fast 4000 Metern gelingen kann, ist jedoch ungewiss. "Die Bergung der Leichen ist eine Operation, die aus dieser Tiefe noch nie versucht worden ist", sagt Jerome Servettaz, der für die französische Lufttransport-Gendarmerie bei der Bergungsaktion im Einsatz ist. "Dennoch wird alles versucht werden, um die Leichen zu heben." Diese Bergung ist allerdings bei einem Teil der Angehörigen sehr umstritten.