William und Kate: Noch 2 Tage

Eine Stadt sagt Ja

John Loughrey ist schon mal da. Als erster Camper hat der 56 Jahre alte Royalist auf seiner mit dem Union Jack verzierten Luftmatratze Stellung auf dem Gehsteig gegenüber Westminster Abbey bezogen. Seit Montagabend ist er hier, bleiben will er bis Samstag. Aus seinem Shirt steht: "Diana wäre stolz".

Für Vermischten-Seiten-Leser ist John Loughrey eine Art Prominenter. Bekannt wurde er, als er bei der Untersuchung zu den Umständen von Dianas und Dodis Tod keinen einzigen der Verhandlungstage verpasste. Auf seine Stirn hatte er mit blauer Schminke "DIANA" geschrieben. Später stand darunter auch "DODI". Vermutlich ist John Loughrey so früh da, damit er auch gleich dem ganzen Medienansturm gerecht werden kann. Noch passiert nämlich nicht so viel in der Hochzeitshauptstadt des Jahres. Da kommt den Massen an Kamerateams und Schreibern ein - zugegebenermaßen eher unkonventioneller - Fan wie Loughrey ganz recht. Hinter den Journalisten, die sich anstellen, um Loughrey zu interviewen, reihen sich Touristen auf und machen Fotos. Wie gesagt, noch ist nicht viel los, da ist man selbst über wenig dankbar.

Allerdings bekommt Loughrey am Dienstag Konkurrenz. Nicki Gooderhan und ihre Schwester, beide etwas über 50, lassen sich gerade von ihren Ehemännern ihre Zelte auf dem Bürgersteig vor der Abbey aufbauen. Als im November die Verlobung bekannt wurde, da haben sich die beiden entschlossen, auf jeden Fall unter den ersten Campern vor Westminster sein zu wollen. "Wir sind so stolz auf William und Kate", sagt Gooderhan. Hinter ihnen ragt die Tribüne für die Presse über mehrere Stockwerke in die Höhe. Moderatorinnen sagen schon mal ein paar Statements in Kamera. Fotografen suchen die beste Position. Das Hochzeitsfieber in London ist noch auf Zimmertemperatur. Vor dem Buckingham Palace ist jahresüblicher Ansturm, das Einzige, was auffällt, ist, dass viele Mädchen Diadem oder Plastik-Krönchen tragen. In Kensington Palace, wo Diana wohnte, hat jemand ein Bild von ihr an den Zaun geklebt, daneben ein Bild der Verlobten. Darauf steht: "God bless you."

Unter den Touristen am Portobello Market dominieren die Italiener, dicht gefolgt von den Deutschen, ein paar Spanier treiben sich rum (von denen nicht so viele, die haben eine eigene magere Prinzessin). In den Läden gibt es Winkmaterial mit dem berühmten Verlobungsfoto von Mario Testino (Kate im blauen Kleid von Issa, Willam mit sehr vielen Zähnen), und Plastiktüten und Schlüsselanhänger mit demselben Motiv. Die Klatschpresse hat nun nach wochenlangem Grübeln endlich beschlossen, dass Kate sicher eine Hochsteckfrisur haben wird, die etwas weniger adelseuphorischen Blätter befürchten, dass das sympathisch Unauffällige des Paars wohl bald in Langeweile umschlagen könnte.

Die Gästeliste, über die seit Wochen spekuliert wird, ist endlich vollends bekannt. Und Streitobjekt Nummer eins. Der Guardian kommentiert: "Eine wilde Mischung aus Freunden, Familie, Sport Stars, Berühmtheiten und dem ein oder anderen widerwärtigen Diktator." Viel Kritik hat sich der Palast eingehandelt, als er das Königshaus von Bahrain einlud, in dessen Reich gerade der wütende Protest des Volkes blutig niedergeschlagen wird. Kronprinz Salman bin Hamad al-Khalifa hat "mit großem Bedauern" abgelehnt. Man wolle den Medien keine Möglichkeit geben sich auf die Seite der Aufständischen zu schlagen, erklärte er. König Mswati III. von Swasiland steht nicht nur auf der schwarzen Liste von Amnesty International, sondern auch auf der Gästeliste. Und er wird kommen. Der Palast lade eben alle gekrönten Häupter ein, hieß es von Königsexperten, aktuelle Politik spiele da keine Rolle. St. James lässt verlauten, William und Kate haben die Liste selbst zusammengestellt und dann mit der Queen abgestimmt. Aber da es Platz für 1900 Leute gibt, sind die Chancen gering, dass die Staatsoberhäupter, bei denen Homosexualität mit hohen Strafen bedacht wird, auf John Elton und Partner treffen.

Eingeladen sind natürlich auch die Beckhams, Guy Richtie und Rowan Atkinson. Und eine obskure Ansammlung von Wills Ex-Freundinnen, die alle fast genau so aussehen wie Kate. Außerdem habe Miss Middleton noch den Postboten ihrer Eltern dazu gebeten, berichtet Al Jazeera. Da es kein Staatsereignis ist, können mehr Freunde als sonst üblich mitfeiern (Familie und Freund stellen mehr als die Hälfte der Gäste).

Aufregend ist auch, wer nicht eingeladen ist: Tony Blair und Gordon Brown nämlich. Dabei dachten alle, die "The Queen" gesehen haben doch, Blair and Her Majesty verbände etwas ganz Besonderes. Die konservativen Tories sind dabei: Margaret Thatcher, John Major und Amtsinhaber David Cameron. Die Labour-Politiker seien nicht Mitglieder des Hosenband-Ordens, hieß die ungerührte Erklärung.

Aber nicht nur die Auswahl der Gäste wird zum Thema der Medien, auch die Auswahl der teilnehmenden Tiere wird genau überwacht. Momentan werden in den königlichen Reitställen die Pferde auf ihre Belastbarkeit getestet. Die Tiere müssen übrigens auch farblich zueinander passen. Noch kann man auch bei den Wetten einsteigen, ob das Brautpaar in offener oder geschlossener Kutsche fährt zum Beispiel. Die mutigste Wette könnte einen Gewinn von 72 000 Pfund versprechen: Leiht die Queen der Bergarbeiterenkeltochter ihr Diadem für die Hochzeit?

Aber am meisten diskutiert wird eine Frage, die auch bei zwei jungen Paaren abends fast zum Streit führt. Eines der Mädchen hält das Kate-und-William-Ticket hoch und imitiert die Handhaltung der Braut. Seht doch, wie arrogant sie ist, diese Would-be-Queen, soll das heißen. "Ist Kate heiß?", fragt das Mädchen - und lässt keinen Zweifel, dass sie ein kräftiges Nein hören will. Ihr Freund macht brav die Nase kraus. Der andere Junge aber nickt heftig. "Yes", sagt er, "she is hot."