Familiendrama

Der Fünffachmord von Nantes: Doppelleben als Tatmotiv?

Hunderte Menschen haben am Dienstag mit einem Schweigemarsch an die Opfer des Familiendramas im westfranzösischen Nantes erinnert.

"Es ist wichtig, in den schwierigen Momenten vereint und eng beieinander zu sein", sagte die 18-jährige Loriane, die die Veranstaltung organisiert hatte. Sie war mit Arthur Dupont de Ligonnès, dem ältesten Sohn der Familie, befreundet. Die Polizei hatte die Leichen des 20-Jährigen, seiner Mutter Agnès und seiner drei jüngeren Geschwister am Donnerstag unter der Terrasse des Wohnhauses der Familie gefunden. Die fünf Familienmitglieder starben wahrscheinlich am 3. oder 4. April durch gezielte Schüsse in den Kopf und in die Brust. Der Trauergottesdienst für die Mutter und ihre vier Kinder, die vergangene Woche tot aufgefunden wurden, soll am Donnerstag stattfinden.

International gesucht wird seither der Vater, der 50-jährige Xavier Dupont de Ligonnès. Die Spur des Geschäftsmannes, der Schießunterricht nahm, verliert sich am 15. April im Süden Frankreichs. Dort wurde auch sein Auto, ein Citroën C5, gefunden. Die Ermittler untersuchen, ob es einen Zusammenhang mit dem Verschwinden einer etwa 50-jährigen Frau zum selben Zeitpunkt in der Region gibt. Dupont de Ligonnès hatte am 4. April seine beiden jüngeren Kinder schriftlich in ihrer Schule krank gemeldet. In zwei weiteren Schreiben informierte er Schule und den Arbeitgeber seiner Ehefrau über eine angebliche plötzliche Versetzung nach Australien. Freunden gegenüber behauptete er, er sei ein US-Geheimagent und werde in ein Zeugenschutzprogramm in den USA aufgenommen.

Französische Medien vermuten inzwischen, Xavier Dupont de Ligonnès habe eine Art Doppelleben geführt, das möglicherweise kurz vor der Aufdeckung gestanden haben könnte. Für diese Theorie spricht unter anderem die Tatsache, dass sich nach der Entdeckung der Tat eine Frau bei der Polizei meldete, die Dupont de Ligonnès 50 000 Euro geliehen haben und diese Summe vor kurzem zurückgefordert haben will. Nun glaubt die Frau, ihre Forderung könne ein Auslöser gewesen sein. Die Unternehmerin, die Dupont de Ligonnès seit ihrer Jugend kannte, soll mit ihm vor zwei Jahren eine Affäre gehabt haben. Sie habe ihm damals 50 000 Euro geliehen, da er sich in Geldnot befunden habe. Nachdem sie diese Summe nun gerichtlich zurückfordern ließ, erhielt sie von ihrem Schuldner am 9. April einen Drohbrief. "Wir hatten gute Zeiten, aber nun wirst Du das Unglück kennenlernen", schrieb ihr Ex-Liebhaber.