Frankreich

Familiendrama in Nantes: Geliebte des Vaters gibt Hinweise

Im westfranzösischen Familiendrama mit fünf Toten ist eine Geliebte des verschwundenen Vaters aufgetaucht und hat der Polizei Hinweise gegeben. Dazu zählen SMS-Nachrichten auf ihrem Handy, berichtete am Sonntag der französische Rundfunksender Europe 1.

Die Frau aus dem Großraum Paris soll dem Mann 50 000 Euro geliehen und sich nun bedroht gefühlt haben. Sie bange nach einem Drohschreiben ("Wir hatten eine schöne Zeit zusammen, aber jetzt wirst du erfahren, was Leiden bedeutet!") um ihr Leben. Daher habe sie sich der Polizei offenbart.

Der verschwundene Familienvater steht im Verdacht, seine Frau und die vier Kinder getötet zu haben. Er ist ein Mensch, der hinter der biederen Fassade eines religiösen Durchschnittsbürgers offenbar ein Doppelleben geführt hat; eine diskret auftretende Person, von der niemand so genau wusste, womit sie ihr Geld verdiente; ein Mann, der montagmorgens das Haus verließ und freitagabends wiederkam - und der nach ersten Erkenntnissen weit über seine Verhältnisse lebte.

Wie der 50-Jährige das alles finanzierte, bleibt unklar - beim Finanzamt versteuerte er jedenfalls ein Jahreseinkommen von gerade mal 4000 Euro. Sein Ein-Mann-Werbeunternehmen war alles andere als erfolgreich und wirkte eher wie eine Tarnung. Doch wofür? Er liebte elegantes Auftreten und Statussymbole - und hatte nach bisherigen Erkenntnissen offenbar mindestens eine Geliebte.

Auch wenn nach dem 50-Jährigen international zunächst nur als wichtigem Zeugen und noch nicht als Täter gefahndet wird: Was sich den Ermittlern als Arbeitshypothese aufdrängt, ist ein grausamer, von langer Hand methodisch vorbereiteter Mehrfachmord an seiner Familie. Akribisch hatte er ihn nach den bisherigen Ermittlungen geplant, nichts überließ er dem Zufall - ein Szenario, das schaudern lässt wegen der kaltblütigen Planung und Durchführung.

Wochen vorher beschaffte er Material, um die Leichen zu beseitigen. Er kaufte Leichensäcke, Schaufeln und Kalk, wie er zum schnelleren Zersetzen von Organismen eingesetzt wird, schrieb Kündigungen, übte den Gebrauch seiner Schusswaffe und fragte nach Schalldämpfern. Er verwischte Spuren und entfernte sogar die Festplatten der Computer. Mit eiskalter Berechnung ebnete er seine Flucht in eine womöglich neue Identität.

Untersucht wird jetzt, ob die Opfer vorher betäubt wurden. Die Tatwaffe, ein Gewehr, wurde noch nicht entdeckt. Der 50-jährige Familienvater hatte eine derartige Waffe kurz zuvor geerbt.