William und Kate: Noch 8 Tage

Wie plant man die perfekte Hochzeit?

Stu Price ist Zahnarzt und ein Waschlappen. Seiner herrischen Freundin gehorcht er aufs Wort und will ihr mit dem geschichtsbeladenen Ehering seiner jüdischen Mutter einen Heiratsantrag machen.

Doch vorher fährt er mit seinen Buddies zum Junggesellenabschied für Freund Phil nach Las Vegas. Es kommt, wie es kommen muss in guten amerikanischen Komödien: Stu wacht mit schwerem Schädel in einer demolierten Hotelsuite auf, um ihn herum läuft ein Huhn, im Badezimmer sitzt ein hungriger Tiger, der Bräutigam ist verschollen. Stu hat keinerlei Erinnerung, aber ganz offensichtlich in der Nacht eine Stripperin geheiratet und ihr auch noch den Ring der Mutter dabei angesteckt. Und ständig ruft die hysterische Freundin an (der er, Happy End, schließlich den Laufpass gibt). Ein herrlicher Film: "Hangover" (auf Video). Im wahren Leben möchte man aber vielleicht anders heiraten.

Wir sind derzeit ohnehin eher auf Romantikkurs. Stündlich werden wir in der Redaktion mit Produktideen zur Hochzeit des Jahres in England überschüttet, mit Party- und/oder Reisehinweisen. Das beste aller Merchandise-Produkte scheint mir eine Queen im rosa Plastikleid, die stoisch huldvoll winkt, solange Licht auf ihre Handtasche fällt ( www.cedon.de ). Zur Einstimmung empfehle ich zudem das Buch "The Wedding Dress", wunderbare Roben von Oleg Cassini, den auch Jackie Kennedy schätzte (bei Rizzoli). Weiterhin nicht beantwortet wird hingegen die Frage, was Kate, dann bereits Catherine, tragen wird, wenn sie am 29. April um 11 Uhr aus dem Rolls Royce steigt. Im Spekulationsrennen sind noch Schwiegermutter Dianas Darling Bruce Oldfield, Alice Temperley und - plötzlich leicht abgeschlagen - Sarah Burton von Alexander McQueen. Angesichts des globalen Hypes ist davon auszugehen, dass die Eheschließung neben dem Ehepaar an sich, der britischen Wirtschaft im Allgemeinen und der Monarchie im Besonderen gut tut, aber auch einen Trau-dich-Boom auslöst. Der Traum von "Plötzlich Prinzessin" ist auch in durchemanzipierten Zeiten kein Privileg fünfjähriger Lillifee-Fans.

Doch was macht Brautpaar, wenn es keinen Jamie Lowther-Pinkerton auf der Gehaltsliste hat? Jenen Gentleman, der als Privatsekretär der Prinzen William und Harry mit der Mission betraut ist, eine Traumhochzeit zu organisieren? Nun stehen die wenigsten vor der Herausforderung, ein Brautpaar und Milliarden von TV-Zuschauern glücklich zu machen.

Deswegen kann man die Organisation also traditionell selbst in die Hand nehmen und der Mutter überlassen, noch gilt die alte Regel: Die Eltern der Braut zahlen, weil sie ja froh sind, ihr schwaches Kind an den Mann gebracht zu haben, wobei es bei gleichgeschlechtlichen Ehen Auslegungssache ist, wer was übernimmt. Wem das alles jetzt schon zu kompliziert vorkommt, der nimmt sich am besten gleich einen "Wedding Planner". Das ist in den USA seit Jahrzehnten ein gängiges Berufsbild und bei uns inzwischen auch mehr als eine Schmonzette mit Jennifer Lopez in der Hauptrolle.

Seit 2008 gibt es sogar einen Bund deutscher Hochzeitsplaner, die Mitglieder haben so hübsche Namen wie Das Hochzeitshaus, Engel 07 oder Marry me. Letztere wurde von der Hamburgerin Melanie Schmitz gegründet, inspiriert vom oben genannten Lopez-Film, aber auch von den Erfahrungen der eigenen Hochzeit und weil sie ohnehin in der Event-Branche gearbeitet hatte. Wie das so ist mit amerikanischen Bräuchen, dauert es, bis die Coolness flächendeckend über den Ozean schwappt. Anfangs hätte ja auch keiner vermutet, dass Halloween mal den Reformationstag ablösen würde.

Und so hatten sich die Verbandsgründerinnen schon sieben Jahre vor der offiziellen Eintragung zusammengetan, um zu "demonstrieren, dass es sich um ein seriöses Berufsbild handelt und nicht um ein paar unterbeschäftigte Hausfrauen", wie Melanie Schmitz erklärt und damit gleich die Anfangsschwierigkeiten andeutet. Doch mittlerweile sind sie und andere gut im Geschäft, das Angebot reicht von der Komplettorganisation, wo man quasi nur Braut & Bräutigam selbst liefern muss, bis zur Detailhilfe wie Raumsuche.

Der Antrag sollte originell sein

Melanie Schmitz, die gerade einen Ratgeber "Frau der Ringe" geschrieben hat, ist auf den norddeutschen Raum spezialisiert, die Kolleginnen von Mallorca Hochzeiten, Jutta Birfelder und Katja Buhlan, auf der Deutschen liebsten Baleareninsel. Wer unentschlossen ist, ob lieber Hamburg, Norddeutschland oder doch Frankreich wird bei splendid-moments.de gut beraten. Eigener Garten oder Insel? Möglich ist alles, nur Geld spielt eine Rolle.

Die Tipps zum Nachspielen einer Adelshochzeit sind hingegen kostenlos: Der Antrag sollte originell sein, nicht per SMS, nicht als E-Mail, Glückskeks ist durch, Banner am Himmel ist gut, gern auch auf den Acker des Landsitzes gemäht. Trotz Überraschungseffekt ist es höflich, wenn der Bräutigam vorher bei den Schweigereltern um die Hand anhält (wenn sie auch Schweige-Eltern sind).

Dann einigt man sich darauf, wann die Verlobung bekannt gegeben wird, die Anzeigentexte. Und die "Ws" der Hochzeit werden festgelegt: wann-wie-wo-wer? Kein Warum mehr, bitte. Die Festivitäten an sich beginnen mit der Brautsoiree, auch Polterabend genannt. Vorher muss das Standesamtliche geregelt sein, wird aber gesellschaftlich nicht so wichtig genommen. Wichtiger sind da die Junggesellenabschiede (beide Seiten!). Der Polterabend ist zünftig, der Dresscode nicht so wichtig. Die Braut zieht sich früh zurück zum Schönheitsschlaf.

In der Kirche am nächsten Morgen tragen die Gäste Cut und Hut und etwas Seidenes (nicht weiß, nicht lang, keine Hosen). Vier Brautjungfern sollten es schon sein, hängt auch von der Zahl der Freundinnen ab. Blumenstreukinder kann man nicht genug haben. Er hat zur Unterstützung den Best Man am Altar, es können aber auch Best Men sein. Dauert ja manchmal lange, bis die Braut kommt. Auf keinen Fall soll sie allein den Gang herabschreiten - wenn kein Vater zur Hand ist, übernimmt die Rolle ein väterlicher Freund. Leider nein, nicht die Mutter. Und darauf achten, dass die Familie der Braut links und seine rechts sitzt. In Mannschaftsaufstellung quasi.

Vor der Kirchentür dann Reis, Spalier, sägen, je nach Tradition, Foto, und danach zum Empfang mit Buffet und Gratulationsschlange. Im selben Kleid noch. Abends dann großes Dinner mit Frack und Robe und unbedingt allen Orden, die vorhanden. Die größte Herausforderung: die Sitzordnung! Der Fürst ist wichtiger als der Graf und der wichtiger als der geliebte Erbonkel. Reden? Die jeweiligen Väter loben ihre Kinder und heißen das andere willkommen in der Familie. Dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen.