Prozess

Bankiersgattin wollte Entführer Thomas Wolf erschießen

Die vom Schwerverbrecher Thomas Wolf vor zwei Jahren als Geisel genommene Wiesbadener Bankiersgattin wollte ihren Entführer erschießen.

"Ich hielt ihm die Pistole an den Bauch und drückte ab", sagte die 45-jährige Susanne S. am Mittwoch vor dem Landgericht in Wiesbaden aus, wo sich Wolf wegen erpresserischen Menschenraubs verantworten muss. Demnach war die Frau im Eingangsbereich ihrer Wohnung bei einer Rangelei mit dem Entführer an dessen Waffe gekommen. Es habe sich aber um eine ungeladene Schreckschusspistole gehandelt. Zehn Stunden blieb die Frau danach in der Gewalt Thomas Wolfs.

Der Angeklagte erpresste am 27. März 2009 vom Ehemann der Entführten schließlich 1,8 Millionen Euro Lösegeld. Er hat die Tat vor Gericht bereits gestanden. Wolf habe am fraglichen Vormittag am Hauseingang geklingelt und sie nach dem Öffnen überwältigt, berichtete die Wiesbadenerin. Dabei sei sie unverhofft an die Pistole gekommen. Nach dem folgenlosen Abdrücken der Waffe wurde die Frau von Wolf im Auto entführt, die Tour ging bis ins unterfränkische Schwarzach. Am späten Abend übergab der Ehemann auf einer Fußgängerbrücke über eine Autobahn im Rhein-Main-Gebiet das geforderte Geld.

Nachdem Wolf mit dem Fahrzeug zum Austreten angehalten hatte, unternahm die Frau während der Entführung nach eigenen Angaben noch einen Befreiungsversuch, fand aber den Rückwärtsgang des Wagens nicht. "Es war die Hölle", sagte die 45-Jährige, die sich nach der Geldübergabe selbst von ihrer Fesselung an einen Baum befreite. Wolfs spektakuläre Flucht endete im Mai 2009 mit seiner Festnahme in Hamburg.