Unfall

Kollision in dichtem Nebel: Zwei Seeleute sterben

Der Nebel nahm den Kapitänen die Sicht: Auf dem Nord-Ostsee-Kanal sind am Donnerstagmorgen zwei Frachter zusammengestoßen. Zwei Seeleute, ein Kanalsteuerer und ein Lotse, starben.

Zwei weitere Besatzungsmitglieder auf einem der Havaristen wurden schwer, ein dritter leicht verletzt. Wie Kollision der Frachter auf dem Kanal genau zustande kam, müssen jetzt Ermittler der Wasserschutzpolizei und der Schifffahrtsdirektion ermitteln.

Es herrschten Sichtweiten um die 20 Meter, als der 150 Meter lange britische Containerfrachter "OOCL Finnland" und der unter der Flagge der Russischen Föderation fahrende Frachter "Tyumen-2", auf dem sich zu dem Zeitpunkt 13 Besatzungsmitglieder befanden, nahe der Grüntaler Hochbrücke bei der Ortschaft Beldorf (Kreis Dithmarschen) kollidierten. Obwohl Schiffe dieser Größenordnung maximal 15 Stundenkilometer schnell fahren dürfen, war die Wucht des Zusammenpralls so groß, dass Teile der Kommandobrücke der 116 Meter langen "Tyumen-2" abrissen und auf das Deck der "OOCL Finnland" stürzten. Die Spuren an den Schiffen weisen darauf hin, dass sie seitlich aneinander "vorbeischrammten". Mit den herabstürzenden Trümmern wurde auch einer der Männer in den Tod gerissen. Das zweite Opfer befand sich zum Zeitpunkt der Kollision ebenfalls auf der Brücke des russischen Schiffes.

Hilfskräfte können nicht landen

"Es war etwa 7.45 Uhr, als wir alarmiert wurden", sagte einer der Feuerwehrmänner der örtlichen Wehren. "Es hieß zunächst, dass es auf einem Schiff brennen würde." Erst am Einsatzort erkannten die Feuerwehrleute, mit was für einem Unglück sie es zu tun hatten. "Es sah chaotisch aus", so der Feuerwehrmann. Das Havariekommando Cuxhaven übernahm die Einsatzführung. Aus ganz Norddeutschland wurden Rettungskräfte Richtung Nord-Ostsee-Kanal geschickt.

Doch nicht alle Retter kamen an. "Wir haben zwei Rettungshubschrauber entsandt", sagte Feuerwehrsprecher Manfred Stahl. "Sie konnten wegen des dichten Nebels nicht bis zur Unglücksstelle fliegen und sind deshalb auf dem Krankenhausgelände in Itzehoe gelandet und dort in Bereitstellung gewesen." Während der Frachter "Tyumen-2" steuerlos im Kanal an der Unglücksstelle liegen blieb, fuhr die "OOCL Finnland weiter bis zum rund sieben Kilometer entfernten Ort Oldenbüttel. Später setzte sie ihre Fahrt Richtung Rendsburg fort. Dort gingen Wasserschutzpolizisten an Bord.

Rettungskräfte wurden direkt zur "Tyumen-2" geführt und auf Fähren an das Schiff gebracht. Auf dem Frachter hatte es neben den Toten auch zwei schwer und ein leichter verletztes Besatzungsmitglied gegeben. "Sie konnten alle schnell gerettet werden", sagte die Sprecherin des Havariekommandos, Ulrike Windhövel. Mit Rettungswagen kamen die Männer in das Krankenhaus Heide. Lebensgefahr soll für sie nicht bestehen. Der dritte Verletzte blieb an Bord.

Strikte Verkehrsregeln

Der gut 98 Kilometer lange Nord-Ostsee-Kanal wurde wegen der Kollision sofort komplett gesperrt. In der Nähe der Unglücksstelle fuhr der 121 Meter lange Produkttanker "Bainunah" in eine Böschung. Der Tanker kam selbst frei und konnte später seine Fahrt fortsetzen. Vor den Kanalschleusen in Brunsbüttel und Kiel stauten sich zahlreiche Schiffe, die von dort die knapp acht Stunden dauernde Durchquerung zwischen Nordsee und Ostsee starten wollten. Bereits am Nachmittag aber konnte die Unglücksstelle wieder freigegeben werden. Öl oder Kraftstoff war bei der Kollision laut Havariekommando nicht ausgetreten.

"Der Havarist wurde in eine Weiche geschleppt", sagt Windhövel. Das sind spezielle Stellen im bis zu 162 Meter breiten Kanal, die es größeren Schiffen ermöglichen, aneinander vorbeizukommen. Später sollen Schlepper die "Tyumen-2", die nicht mehr steuerbar ist, nach Brunsbüttel schleppen. Mehrere Trümmerteile des Frachters stürzten bei der Kollision in den Kanal. Die Brückenteile wurden in der elf Meter tiefen Wasserstraße geortet und für die Schifffahrt markiert. Taucher werden sie bergen. Am Nachmittag konnte der Kanal wieder freigegeben werden.

Noch während der Rettungs- und Bergungsarbeiten begann die Ermittlung der Unfallursache. Für den Nord-Ostsee-Kanal gelten strikte Verkehrsregeln und Vorschriften. So müssen große Schiffe nicht nur Lotsen als Berater des Kapitäns, sondern auch Steuerer an Bord haben, die das Ruder übernehmen. Sie waren bereits 1900, fünf Jahre nach der Eröffnung der damals Kaiser-Wilhelm-Kanal genannten Wasserstraße, eingeführt worden. Der Grund: Bei etwa jeder 20. Passage passierte eine Havarie. Im aktuellen Fall werden vor allem Radarbilder und Aufnahmen des Funkverkehrs den Ermittlern wichtige Erkenntnisse liefern.

Trotz der Sicherungsmaßnahmen kam es immer wieder zu schweren Unfällen, zuletzt im vergangenen Oktober. Der 102 Meter lange Frachter "Patria" kollidierte mit dem in der Dunkelheit entgegenkommenden Tanker "San Benedetto". Damals hatte klare Sicht geherrscht.