Verkehr

Streit über schützende Hecken nach Sandsturm-Unfall

Nach der Massenkarambolage in einem Sandsturm auf der Autobahn 19 ist die Diskussion über die Ursachen entbrannt. Die Prüforganisation Dekra rechnet mit wochenlangen Untersuchungen.

Umweltschützer machen die Landwirtschaft für den verheerenden Sturm mitverantwortlich, der den Autofahrern die Sicht nahm. Bei dem Horrorcrash bei Kavelstorf in Mecklenburg-Vorpommern waren am Freitag 82 Autos ineinandergerast, acht Menschen starben und 44 wurden verletzt. 16 Unfallopfer wurden am Montag noch in den Kliniken der Umgebung behandelt. Ein Mann liegt noch in kritischem Zustand auf der Intensivstation in Güstrow.

Der Massenunfall hat die Diskussion über Windschutzstreifen neu entfacht. Nach Ansicht von Umweltschützern fehlen zwischen den riesigen Feldern Hecken und Knicks, die vom Wind aufgewirbelte Erde und Sand aufhalten könnten, sagte Arndt Müller vom BUND in Mecklenburg-Vorpommern. "Es gibt kaum noch bremsende Strukturelemente in der Landschaft." Der verheerende Unfall war am Freitag offenbar dadurch ausgelöst worden, dass bei stürmischem Wetter eine Wolke aus Ackerstaub den Fahrern die Sicht genommen hatte.

Mecklenburg-Vorpommerns Agrarminister Till Backhaus (SPD) widersprach dieser Einschätzung. "Das waren feinste Humuspartikel, die der Sturm aufgewirbelt hat", sagte er am Montag. "Vor Verwehungen, ob von Schnee oder Sand, gibt es keinen wirksamen Schutz." Eine Landschaft ohne Hecken und Feldgehölze, wie sie in der DDR entstand, weise jedoch ein gewisses Gefährdungspotenzial auf, gab der Minister zu.