Datenschutz

"Es ärgert mich, dass die ein Bild von mir haben"

Es sind bohrende Fragen, die Moderator Günther Jauch seinem Gegenüber in seinen TV-Sendungen stellt. Wer Millionär werden will oder bei "Stern-TV" neben ihm sitzt, muss schon einiges wissen und vieles von sich preisgeben. Wenn es um ihn selbst, um sein Privatleben geht, ist Jauch äußerst zurückhaltend.

Umso peinlicher, oder, wie er selbst sagt "oberpeinlich", ist für ihn, wenn seine Gewohnheiten ausgerechnet im anonymen Internet gezielt ausgeguckt werden. In der ARD-Talksendung "Beckmann", die heute Abend ausgestrahlt wird, gesteht er außergewöhnlich offen, dass er einmal beim Internetversandhandel Amazon etwas Erotisches ("Nicht für mich!") bestellt habe. "Seitdem, wenn ich die Seite öffne, kommt da im Grunde eine Porno-Nummer nach der nächsten: Wenn Ihnen das gefällt, dann gefällt Ihnen sicherlich auch das.'", sagt Jauch. "Es ärgert mich, dass die ein Bild von mir haben und mich dann bombardieren."

Günther Jauch ist in großer Gesellschaft von 16,7 Millionen Amazon-Kunden. Was für den einen ein attraktiver Kundenservice ist, wird dem anderen schnell lästig. Oder, wie eben Jauch, unheimlich.

Was weiß das Internet noch über mich? Wer hat Zugriff auf die Daten der 42 Millionen deutschen Internetnutzer? Ist der gläserne Mensch schon Wirklichkeit? "Wenn jemand weiß, was für E-Mails wir schreiben, welche Seiten wir abrufen, wo wir uns im Netz tummeln, wie lange wir eine Seite betrachten - der weiß mehr über uns als die eigene Frau und die eigenen Kinder", so Jauch entsetzt.

Datenschützer versuchen, genau dies zu verhindern. Dabei stehen ihnen immer mehr Bürgerrechtler zur Seite. Der Arbeitsgemeinschaft Vorratsdatenspeicherung gelang es immerhin schon, mehr als 15 000 Bürger gegen die Vorratsdatenspeicherung in Berlin für eine Demonstration und mehr als 30 000 für eine Klage dagegen vor dem Bundesverfassungsgericht zu mobilisieren. In diesem Fall will der Staat zur Abwehr schwerwiegender Straftaten Zugriff auf alle technischen Verbindungsdaten über Handy und Internet für sechs Monate haben. So lange werden die Internet-Anbieter deshalb zur Speicherung verpflichtet. Aber einen Weg zu ermitteln, wer in wie vielen Datenbanken gespeichert ist, kennen nicht einmal Datenschützer.

Google lernt mit den Surfverhalten der Nutzer, beobachtet, welche Seiten angesehen werden und platziert danach die Werbung. Gesetze helfen dagegen nur teilweise. Das neue Datenschutzgesetz soll die Kunden vor dem Schlimmsten bewahren, verlangt von Unternehmen überwiegend eine Einwilligung für die Weitergabe der Daten. Wer sie aber wirklich schützen will, muss sie vor allem selbst zurückhalten. Das gilt für Google und Online-Anbieter, sowie für soziale Netzwerke. Wer Fotos von feucht-fröhlichen Partys ins Netz stellt, muss sich nicht wundern, wenn er beim Vorstellungsgespräch auf sein Trinkverhalten angesprochen wird. "Alle unsere Abgründe, alles was wir da irgendwo mal machen, ist für alle Zeiten gespeichert", warnt Jauch. "Es gibt kein Vergessen, kein Verzeihen, das ist für immer da."

Doch was für einige wie ein Fluch wirkt, empfinden andere offenbar als Segen. In seinem Bestseller "Was würde Google tun?" merkt der 55 Jahre alte US-Medienprofessor Jeff Jarvis über die schöne neue Google-Welt an: "Die Ethik der Privatsphäre hat sich für die Generation G radikal verändert. Leute in meinem Alter oder älter regen sich auf über all die Informationen, die junge Leute über sich selbst veröffentlichen. Ich versuche immer, zu erklären, dass es eine soziale Geste ist, andere an persönlichen Dingen teilhaben zu lassen. Es ist die Basis der Verbindungen, die durch Google möglich werden." Auch Günther Jauch muss letztlich eingestehen: "Wenn Sie mir meinen Computer und mein Handy wegnehmen, machen Sie mich unglücklich."