Prozess

Mutter schweigt zum Hungertod der kleinen Sarah

Im Prozess um den Hungertod der kleinen Sarah hat ihre 27 Jahre alte Mutter die Aussage verweigert. Zuvor hatte die Staatsanwaltschaft noch einmal den Leidensweg des Mädchens nachgezeichnet, das im August 2009 starb.

Ausgehungert, ungewaschen und verkrüppelt kam die drei Jahre alte Sarah aus Thalmässing ins Krankenhaus, wo die Mediziner sie nicht mehr retten konnten. Warum vernachlässigte die Familie das Mädchen derart?

Die Kammer unter Vorsitz von Richard Caspar will diese Frage in einem langen Prozess klären. Im vergangenen Herbst galt Sarahs Mutter wegen einer schweren Erkrankung als nicht verhandlungsfähig. Der Vater wurde im November zu 13 Jahren Haft wegen Mordes und Misshandlung Schutzbefohlener verurteilt. Die Frau war zuletzt in einer Einrichtung zur Sterbebegleitung untergebracht. Doch nach medizinischen Untersuchungen kam das Gericht zu der Einschätzung, dass eine Verhandlung mit ihr möglich ist. Im Juni soll das Urteil fallen.

Ein Polizist sagte aus, die Mutter habe für den Zustand des Mädchens verschiedene Erklärungen parat gehabt: Sie habe versuchen wollen, das abgemagerte Kind selbst "aufzupäppeln". Sie habe sich nicht zum Arzt getraut - aus Angst, dieser werde das Jugendamt einschalten. Schließlich habe sie erzählt, seit Anfang 2009 habe sie massiv an Gewicht verloren und sei dadurch in eine psychische Notlage geraten. Ihr sei alles egal gewesen - auch die Kinder. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die Eltern Sarah etwa von April an massiv vernachlässigt und "aus Gleichgültigkeit" meist in ihrem Gitterbettchen alleingelassen hatten. Zum Schluss wog das Mädchen nur 8,2 Kilogramm - normalerweise sind Kinder in dem Alter etwa doppelt so schwer.