William und Kate: Noch 27 Tage

Die Angst des Prinzen vor der Hochzeit

Es plätschert heiter dahin. Tag für Tag gibt es nette kleine Verlautbarungen aus dem Buckingham-Palast, Anekdötchen, neue Details zur Hochzeit. Jetzt war es dieses: Prinz William wird nach der Trauung keinen Ring tragen. Er und Kate haben sich darauf geeinigt, dass nur sie ihn am Finger haben werde.

Der Trend zum Ehering für Männer hat sich auf der Insel erst in jüngster Zeit verbreitet - viele Mitglieder der britischen Oberklasse verzichten auf das Schmuckstück. Prinz Philip zum Beispiel, der Mann von Elizabeth II., trägt auch keinen Ring. Prinz Charles trägt als Zeichen seiner Ehe mit Camilla lediglich einen schmalen Goldreif unter seinem Siegelring, und zwar am kleinen Finger seiner linken Hand.

Für weit mehr Aufregung sorgte allerdings diese Nachricht: William hat Angst. Der Prinz liegt nachts wach, weil er so aufgeregt ist. Und während er kein Auge zukriegt, ist ein Großteil der Briten bereits genervt von immer neuen Berichten über die Hochzeit des Jahrzehnts, ach was, des Jahrhunderts.

"Ziemlich dekadente Veranstaltung"

Auf dem walisischen Luftwaffenstützpunkt Anglesey gab William ein Interview. Dort ist er als Hubschrauberpilot einer Rettungseinheit im Einsatz. Und was genau hält ihn vom Schlafen ab? "Alles!", sagte er. Auch tagsüber werde er von nackter Nervosität geplagt. "Letztens haben mir bei einer Probe die Knie geschlottert", sagte er. Die Hochzeit in der Westminster Abbey, ja, das sei eine "einschüchternde, eine euphorisierende Aussicht, aber es gibt in den letzten vier Wochen noch viel zu tun".

Seinen Junggesellenabschied hat William unbemerkt von den Medien hinter sich gebracht. "Das war fast eine militärische Aktion, und mein Bruder und ich sind sehr stolz darauf, wie das gelaufen ist", sagte der Bräutigam. Prinz Harry und er hatten falsche Spuren gelegt und Gerüchte gestreut.

Dann sagte William noch was zu seiner Arbeit. Darauf sei er sehr stolz, ließ der Prinz verlauten. Stolz, zu dieser "großen Familie der Luft" zu gehören und mit "einigen der besten Piloten der Welt" zusammenzuarbeiten. "Die Jungs machen eine tolle Arbeit und sind glücklich, sie zu machen", sagte William. "Das ist eine Arbeit, aber gleichzeitig ist es viel Gefühl, es ist körperlich und sehr anspruchsvoll." Ein Rettungseinsatz bei schlechtem Wetter könne schwierig sein - "vor allem mit einem Typen wie mir am Kommando."

Die Untertanen nehmen solcherlei Verlautbarungen inzwischen eher kühl zur Kenntnis. Vier Wochen vor der Trauung kursiert bei manchem die Frage: Wann ist es endlich vorbei? Während Millionen auf der ganzen Welt jede Einzelheit der Hochzeitsvorbereitungen - die Gästeliste, die Torte, die Kutsche, das Kleid - verfolgen, wollen andere nichts mehr davon wissen.

Die laufenden Vorabberichte zur Vermählung von Prinz William mit Kate Middleton stehen in der Presse neben Schreckensmeldungen aus dem In- und Ausland wie Erdbeben, Tsunami und Atomkatastrophe in Japan oder Sparmaßnahmen, Stellenabbau und Inflation in Großbritannien. Kein Wunder, dass vielen die Feierlaune vergeht.

"Ich kann das alles nicht mehr hören", sagt Andreas Dopner, Doktorand am Londoner Imperial College. "Du siehst es im Fernsehen, im Internet, überall. Ich halte nichts davon, ein Königshaus zu haben, und ich finde, das Geld könnte man besser für etwas anderes ausgeben."

Für viele britische Unternehmen ist die Hochzeit dagegen eine wunderbare Sache. Das internationale Interesse und der erwartete "Wohlfühlfaktor" dürften für Scharen zusätzlicher Besucher sorgen und in Hotels und Restaurants, Geschäften und Touristenattraktionen für satte Einnahmen sorgen.

Doch zugleich steht auch ein Exodus bevor. Millionen Briten verreisen, weil der Tag der Prinzenhochzeit für die meisten ein Feiertag ist und so günstig zwischen Osterwochenende und Maifeiertag liegt. Schlaue Arbeitnehmer hatten schnell ausgerechnet, dass sie nur drei Urlaubstage nehmen müssen, um elf Tage am Stück freizuhaben. "Genau deshalb habe ich selbst auch gebucht", sagte Sean Tipton vom Reisebüroverband, der deutlich mehr Buchungen von Auslandsreisen um das Hochzeitsdatum herum registrierte.

Wer im Land bleibt, wird sich am 29. April in London vor wehenden Flaggen und drängelnden Menschen kaum retten können. Doch es gibt auch Briten, die das alles absolut kalt lässt. "Das ist eher was für die ältere Generation", sagt der 19-jährige William Dobson. "Junge Leute interessieren sich mehr dafür, ein schönes Wochenende zu haben, als für die Hochzeit." Wer dem Trubel entfliehen möchte, findet durchaus Alternativen. Eine vom englischen Royal-Rummel gänzlich unbeeindruckte Gruppe walisischer Nationalisten etwa organisiert ein "Flucht vor der Hochzeit"-Camp auf dem Land. Ein Kulturzentrum in Bristol veranstaltet eine alternative Königliche Hochzeitsparty mit Kinderspielen, DJs und gespielten Eheschließungen. Für die Anwohner des Viertels ohne wirtschaftliche Perspektive sei die Prinzenhochzeit wahrlich nicht das Wichtigste, sagte die Leiterin des Zentrums, Emma Harvey. "Die Leute haben das nicht unbedingt groß auf dem Schirm. Sie halten das für eine ziemlich dekadente Veranstaltung."

Überall Kaffeebecher und Teller

Andere wünschen Kate und William alles Gute, haben aber die Kommerzialisierung und den Riesenwirbel um die Hochzeit satt. Die Schaufenster der Geschenke- und Andenkenläden landauf, landab sind zugepflastert mit Kaffeebechern, Tellern, Schlüsselbändern und Aschenbechern. Eine Londoner Kunstgalerie konterte mit einer Kollektion bunter Kate-und-William-Kotztüten, bedruckt mit dem Bildnis des glücklichen Paares. Die Tüten als Kommentar zu "dem ganzen kitschigen Kommerz" rund um die Hochzeit verkaufen sich gut, sagte Galeriemitarbeiterin Ellie Phillips. "Wir sind nicht gegen das Ereignis selbst", sagte sie. "Das ist etwas Nettes, Fröhliches, das viele Menschen zusammenbringt. Es ist bloß die Art und Weise, wie es so schnell ausgeschlachtet wurde, um so viel schlecht gemachten, billigen Kram auf den Markt zu werfen."

Gleichgültigkeit dem großen Ereignis gegenüber ist Musik in den Ohren der Gruppe Republic, die seit Jahren für die Abschaffung der Monarchie wirbt. Nun hofft sie auf Tausende Besucher bei einem Straßenfest unter dem respektlosen Motto "Nicht die königliche Hochzeit" am 29. April in London. Die Achtung vor der Monarchie sei gesunken seit der Thronbesteigung von Queen Elizabeth II. vor beinahe 60 Jahren und der Hochzeit von Charles und Diana 1981, findet Republic-Sprecher Graham Smith.

Ein Kollege von William erzählte dann noch auf Anglesey, dass die bevorstehende Hochzeit natürlich auch bei den Kameraden Thema sei. Die Belegschaft habe einen Haufen Souvenirs für das Großereignis mit Bildern von Kate und William gekauft und sie "an strategischen Orten" versteckt. So müsse der Prinz immer wieder in sein eigenes Gesicht schauen, wenn er einen Schrank öffne oder ihm eine Teetasse gereicht werde.