Thailand

Rettung mit dem Flugzeugträger

Als das Wasser kam, brach das Chaos aus. Wegen schwerer Überschwemmungen saßen schon am Mittwoch auf mehreren Inseln im Süden Thailands Tausende Urlauber fest. Allein von dort kamen 13 000 Touristen wegen des Ausfalls von Fähr- und Flugverbindungen nicht weg. In langen Schlangen und Menschentrauben sammelten sie sich an den Terminals.

Nach Angaben des thailändischen Innenministeriums saßen zudem über 1000 Touristen auf der Insel Koh Tao und 1100 auf der Insel Koh Phangan fest, die ebenfalls im Golf von Thailand liegen. Betroffen waren außerdem rund hundert Urlauber auf den Inseln Similan und Surin im Andamanischen Meer.

Am gestrigen Donnerstag kam dann erste Erleichterung. An den Bemühungen, die Urlauber von den überschwemmten Inseln fortzubringen, beteiligt sich nun auch ein Flugzeugträger der Armee. An Bord der "Chakri Naruebet" gingen mehr als 700 Urlauber, wie die Marine mitteilte. Der Deutsche Reiseverband in Berlin teilte mit, der Flugverkehr auf den Urlaubsinseln normalisiere sich zusehends.

1500 Deutsche sind auf der Insel

Der Flugzeugträger legte am Stützpunkt Sattahip an. Dort gingen nach Angaben der Marine 734 Touristen, darunter 532 Ausländer, an Bord. Sie waren von den Inseln Koh Tao und Koh Phangan zu dem Flugzeugträger gebracht worden. Die Marine kündigte an, dass im Laufe des Tages mehrere Fregatten weitere gestrandete Urlauber abholen sollten.

Eine Woche andauernder Regen hatte in Südthailand Überschwemmungen verursacht, durch die auch Straßen und Zugstrecken blockiert wurden. Die Sprecherin des Deutschen Reiseverbands, Sibylle Zeusch, sagte, dass derzeit rund 1500 deutsche Gäste auf Koh Samui im Golf von Thailand seien. Nur wenige von ihnen hätten wegen der Überschwemmungen Beeinträchtigungen hinnehmen müssen. So seien manche wegen Wasserschäden in Hotels in andere Unterkünfte verlegt worden. Für die Urlauber, die ab- und anreisen wollen, habe sich die Lage "deutlich entspannt", sagte Zeusch. Wegen des Rückstaus nach der zeitweisen Aussetzung des Flugverkehrs böten manche deutsche Veranstalter die Möglichkeit an umzubuchen. Der Reiseveranstalter Thomas Cook hatte nach den schweren Regenfällen bis zum 5. April Reisen auf die Ferieninsel Koh Samui abgesagt. Andere Urlaubsziele in Thailand wie zum Beispiel Bangkok oder Pattaya seien nicht betroffen, sagte eine Unternehmenssprecherin.

Der Flugverkehr von und zur Insel Koh Samui normalisierte sich am Donnerstag. Vizeministerpräsident Suthep Thaugsuban erklärte, dass der Fährverkehr von den Inseln Koh Samui und Koh Phangan wieder aufgenommen worden sei. Kleinere Inseln wie Koh Tao seien aber vom Schiffsverkehr weitgehend abgeschnitten: "Tausende Touristen saßen dort fest, und es gab nicht genug Essen und Wasser, sodass wir ihnen zuerst helfen mussten."

Ein kräftiges La-Niña-Sturmtief aus China hatte seit Montag Tod und Zerstörung über acht Provinzen gebracht, zu denen Tourismusperlen wie Koh Samui, Krabi und Phang Nga gehören.

Vermisste nach Erdrutsch

Mindestens 21 Menschen starben in den Flutmassen oder wurden von Erdrutschen verschüttet. Die thailändische Marine evakuierte Tausende von auf Paradiesinseln gestrandeten Anwohnern und Touristen aufs Festland. Laut der Katastrophenbehörde sind fast 720 000 Menschen in 80 Bezirken von den sintflutartigen Regenfällen mit heftigen Stürmen betroffen, die überdies eine Kältewelle über das Königreich hereinbrechen ließen, wie sie Thailand in dieser Jahreszeit noch nicht gesehen hat.

März und April gelten als die heißesten Monate in Thailand, doch der März 2011 hat gleich zwei absolut ungewöhnliche Kältetiefs gebracht, Letzteres mit verheerenden Folgen. Auf kleineren Inseln ging Anwohnern und Touristen das Essen aus. Die Tourismusmeile Chaweng stand weiter komplett unter Wasser und war nur per Boot erreichbar. Die meisten Restaurants, Hotels und Geschäfte schlossen. Touristen versuchten verzweifelt, dem Chaos in Sicherheit zu entfliehen. Die Behörden verteilten Trinkwasser und Essen.

Ein Generator stellte einen Basisbetrieb am Flughafen von Koh Samui sicher, wo Passagiere teils seit Montag im Freien übernachteten in der Hoffnung auf einen Flug nach Hause.

Auf Koh Tao flogen Hubschrauber Ältere und Kinder auf das wartende Schiff, die restlichen Wartenden wurden mit Longtail-Booten an Bord gebracht. Dabei hatten die Rettungsschiffe das weiter nördlich gelegene Prachuap Khiri Khan anzusteuern, weil weite Teile im Süden noch am Mittwoch an Sturmschäden und Überflutungen litten. Schlammlawinen verschütteten Überlandstraßen.

In der südlichen Provinz Krabi seien rund 150 Soldaten mit Spürhunden im Einsatz, um nach einem Erdrutsch nach Vermissten zu suchen, sagte Armeesprecher Sunsern Kaewkumnerd. Bislang seien zwei Tote entdeckt worden. In ganz Krabi wurden nach Behördenangaben bis zu zehn Menschen vermisst. Thailand musste schon häufig Erfahrungen im Umgang mit Naturkatastrophen sammeln. Bereits Ende vergangenen Jahres gab es dort Überschwemmungen. 220 Menschen kamen dabei ums Leben.