Unglück

DSDS: Massenpanik bei Autogrammstunde

Die Stimmung passt zum Wetter. Bei frühlingshaften Temperaturen herrscht in den Cafes auf der Promenade des "CentrO" in Oberhausen am frühen Sonntagabend reges Treiben. Hunderte Menschen genießen die letzten Sonnenstrahlen des Tages - als sei nichts gewesen.

Die wenigen Wagen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst, die noch vor dem Kino stehen, scheinen sie nicht zu stören. Tatsächlich hat Oberhausen an diesem Tag noch einmal so etwas wie Glück im Unglück gehabt. "Wir haben hier keine Loveparade 2", sagt Polizei-Pressesprecher Uwe Weighardt. Und er ist sichtlich erleichtert. 60 Verletzte hatte es am Nachmittag gegeben, als bei einer Autogramm-Stunde des RTL-Castingshow "Deutschland sucht den Superstar" zu einem Gedränge vor dem Einkaufszentrum gekommen war.

Vor allem Mädchen sind verletzt

Die Fans wollten die verbliebenen DSDS-Kandidaten sehen und Autogramme von ihnen bekommen. Die "Top 6", wie RTL die letzten sechs in einer Staffel verblieben nennt, waren Ardian Bujupi, Marco Angelini, Pietro Lombardi, Sarah Engels, Sebastian Wurth und Zazou Mall.

Die meisten Jugendlichen kamen glimpflich davon. Zwar wurden 24 junge Fans, vor allem Mädchen, ins Krankenhaus gebracht, bei den meisten Verletzungen handelt es sich nach Angaben der Polizei jedoch nur um Prellungen und Quetschungen. In drei Fällen besteht der Verdacht auf Knochenbrüche. Außerdem gab es mehrere Kreislaufzusammenbrüche.

Meryem (15) und ihre Freundin Jonella (16) waren bereits in der "Coca-Cola-Oase", als sich der Platz draußen immer mehr füllte. Bis zu 15 000 Fans wollten ihre Stars hautnah erleben. Mit etwa 4000 hatten die Veranstalter gerechnet. "Ich bekam kaum noch Luft", sagt Jonella. "Wir wurden mitgezogen, von allen Seiten gedrückt." So voll sei es auch im Innern gewesen, als die Stars für lediglich fünf Minuten auf die Bühne kamen. Danach wurde die Veranstaltung abgebrochen.

"Die Leute schlugen von draußen an die Türen", berichtet Meryem. Es sei so laut gewesen, "dass ich mein eigenes Schreien nicht mehr gehört habe", erinnert sich die junge Frau, der der Schrecken noch ins Gesicht geschrieben steht.

Derweil versucht draußen der Veranstalter, die Menge zu beruhigen und die Jugendlichen zum Gehen zu bewegen. Doch die Leute bleiben. Sie wollen Pietro, Ardian und die anderen "DSDS"-Stars sehen. Bis die ersten Teenager erschöpft zusammenbrechen. Nur schwer können sich Polizei und Feuerwehr eine Gasse durch die Menge bahnen, um die Verletzten versorgen zu können, sagt Polizeisprecher Weighardt am Abend. Mehr als 50 Polizisten sind im Einsatz sowie rund 90 Rettungkräfte von Feuerwehr und Rotem Kreuz.

Sie leisten Erste-Hilfe-Maßnahmen, beruhigen die, die in der Menge hyperventilieren oder unter Schock stehen. 24 junge Fans bringen sie in die umliegenden Krankenhäuser.

Erst nach und nach, als die Veranstalter die geplante Autogrammstunde längst abgebrochen haben, löst sich die Menge auf. Zum Glück ist das Gelände des Centro weitläufig und groß genug, dass die Fans sich schnell verteilen. Sie gehen enttäuscht nach Hause gehen. Und die meisten von ihnen sind vermutlich froh, weil nicht noch mehr passiert ist.