Jugend

Regina, die Rinderflüsterin aus Bayern

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Michael Hudelist

Kindern müssen nicht immer alle Wünsche erfüllt werden, manchmal erfüllen sie sich ihre Wünsche ganz allein. Ein Beispiel für kreative Auslegung des eigenen Wunsches liegt nun aus Bayern vor.

Eigentlich wollte Regina ein Pferd haben, wie viele Mädchen in ihrem Alter. Doch als die Eltern Nein sagten, entdeckte die 15-Jährige die Alternative im heimischen Stall in Laufen bei Traunstein: Kuh Luna.

Nach langem Training reitet Regina inzwischen sicher auf ihrer Kuh und springt über Hindernisse. Diese Disziplin ist bislang in Deutschland noch gänzlich unbekannt gewesen und dürfte das Zeug haben, im "Guinnessbuch der Rekorde" zu landen.

Aber ganz allein ist Regina mit ihrem exotischen Hobby nicht. Nach langer Suche hat sie eine Sportsfreundin in einer ähnlichen Disziplin gefunden - oben in Ostfriesland sitzt auch sie hoch zu Rind. "Aber die reitet nur, die springt nicht wie ich mit meiner Luna."

Schon mit sieben Jahren nahm Regina zusammen mit ihrer vier Jahre älteren Schwester Reitstunden, damals noch mit Pferden. Den Wunsch nach einem eigenen Pferd wollen die Eltern nicht erfüllen. "Wir sind beide berufstätige Nebenerwerbsbauern, und Regina war auch noch zu klein", rechtfertigt Mutter Hildegard Mayer die Entscheidung. Aber ist ein Kind, das sich seine Flausen nicht so schnell ausreden lässt, erst recht nicht von störrischen Eltern. Regina gibt nicht auf, sondern sucht fieberhaft nach reitbaren Alternativen. Überraschenderweise wurde sie auf dem elterlichen Bauernhof fündig. "Wenn wir schon einen Stall voller Kühe haben, dann versuche ich es eben da."

Doch die erste Wahl, Kalb Lilly, ist störrisch und lässt sich von der damals Neunjährigen nicht trainieren. Erst als Kälbchen Luna zur Welt kommt, wird auch eine wunderbare Mensch-Tier-Freundschaft geboren. "Sie war nicht scheu, sondern ist gleich auf mich zugekommen", erinnert sich Regina. "Am Anfang bin ich mit ihr stundenlang spazieren gegangen", erläutert die Schülerin, "und irgendwann hab ich mir gedacht, auf einer Kuh müsste man doch ähnlich wie auf einem Pferd auch reiten können." Professionelle Tipps zum richtigen Umgang mit Luna holte sich Regina von einer Kuhschule in der Schweiz. Ihre Freundinnen lachten sie anfangs aus, "mittlerweile wollen sie auch auf Luna reiten. Aber das dürfen nur meine besten Freundinnen." Auch die Eltern waren anfangs skeptisch, was nicht verwundert, hatten sie doch von Anfang an etwas gegen den Reitsport. "Jetzt gehört Luna sozusagen mir, sie ist im Sommer als Einzige auf der Weide und hat auch im Stall einen eigenen Platz."

Auch eine andere Eigenart teilen die Kühe in diesem Laufener Kuhstall mit den Pferden: die Stutenbissigkeit: Die anderen Kühe im Stall mögen Luna nicht und stoßen sie sogar ab und zu. Interessant ist auch der Umgang der Kuh mit sogenannten echten Reittieren, den Pferden. "Luna läuft den Pferden immer nach und sucht den Kontakt, aber die Pferde haben kein Interesse." Arme Luna. Sie scheint in der Welt der Vierbeiner teuer zu bezahlen für ihre Freundschaft zu einer Zweibeinerin. Die Menschen, vor allem diejenigen, die gern mal auf Lunas Rücken Platz nehmen, sind dafür umso netter. Und die Pferderückenreiter lassen Regina sogar manchmal auf einem echten Pferd reiten.

Reiten alleine war der 15-Jährigen mit der Zeit zu langweilig, sie wollte auch springen. "Ich musste Luna alles vormachen und mit Karotten und Zucker locken, jetzt springt sie schon einen Meter", schildert das stolze Cowgirl. Nach acht Sprüngen ist aber Schluss, "dann ist Luna müde und will gemütlich in den Stall zurückreiten". Der Tierarzt hat keine Einwände, so Reginas Vater, außerdem sei ein Pferd ursprünglich auch nicht zum Springen geschaffen worden. Den Traum vom echten Reitpferd hat die Schülerin aber nicht aus den Augen verloren. "Auch wenn ich Luna immer behalten und mit ihr reiten werde, wünsche ich mir doch auch noch ein echtes Pferd." Und die Chancen stehen gut, weiß ihre Mutter. "Wenn der Wechsel in die Berufsschule nach Traunstein klappt und Regina und ihre Schwester genug Zeit haben, erfüllen wir unseren beiden Töchtern den Wunsch." Woraus man einmal mehr lernen kann, dass nur Fleiß und Beharrlichkeit irgendwann ans Ziel führen.