Schwerverbrecher

Ausbrecherkönig kommt vor Gericht

Am Ende wurde ihm eine Kontaktanzeige zum Verhängnis: Vor knapp zwei Jahren nahmen Zielfahnder den international gesuchten Schwerverbrecher Thomas Wolf auf der Hamburger Reeperbahn fest.

Seitdem sitzt der Mann wieder hinter Gittern. Morgen beginnt in Wiesbaden sein Prozess. Fast ein Jahrzehnt hatte der heute 58-Jährige die Ermittler zuvor genarrt, lebte nach seiner Flucht aus einem nordrhein-westfälischen Gefängnis lange unerkannt im Frankfurter Westend. Nicht einmal seine Freundin ahnte, mit wem sie sich eingelassen hatte.

Eine Borreliose-Erkrankung nach einem Zeckenstich hat den heute 58-Jährigen so geschwächt, dass der Prozess erst jetzt beginnen kann. Seine schwere Krankheit wird das Verfahren weiter in die Länge ziehen, denn Wolf ist nur ein paar Stunden pro Tag verhandlungsfähig. Die bisher angesetzten zehn Termine bis Ende April dürften also kaum reichen. Das Wiesbadener Landgericht muss sich zudem auf großen Andrang einstellen, denn der Fall ist spektakulär. Die Anklagepunkte bieten Stoff für einen spannenden Prozess: Entführung einer Bankiersgattin, Erpressung, Banküberfälle.

Die Staatsanwaltschaft wirft Wolf zwei Banküberfälle in Hamburg und den Niederlanden sowie eine Entführung in Wiesbaden vor. Bei den Überfällen in den Jahren 2000 und 2003 ging der entflohene Häftling mit einer ähnlichen Masche vor. Mit einer Bombenattrappe versetzte er die Bankangestellten in Todesangst und erzwang die Herausgabe von insgesamt mehr als 360 000 Euro. Im Frühjahr 2009 entführte er die Frau eines leitenden Wiesbadener Bankangestellten und erpresste 1,8 Millionen Euro von ihrem Mann. Die Frau entkam nach der Geldübergabe.

Den entscheidenden Hinweis erhielt die Polizei von einer Hamburgerin, die Wolf über eine Kontaktanzeige kennengelernt hatte. Sie solle für 100 000 Euro unter ihrem Namen eine Wohnung für ihn mieten, ein Konto eröffnen und ein Auto zulassen. Sie vertraute sich Freunden an, die ihr im Internet das Fahndungsplakat zeigten. Der auf den Hinweis der Frau hin festgenommene Wolf schwieg erst eisern, führte die Ermittler dann aber doch zum Rest der erpressten 1,8 Millionen Euro, die er in einem Wald versteckt hatte.