Ermittlungen

Fall Gräff: Polizei sucht mit Drohne nach neuen Spuren

Der Vermisstenfall Tanja Gräff lässt die Trierer Polizei nicht los. Am Freitag suchten Spezialisten die Felsen an der Fachhochschule mit einem unbemannten Minifluggerät samt Kamera ab. Dort war die Studentin Tanja bei einem Sommerfest vor fast vier Jahren spurlos verschwunden.

Rodungsarbeiten und erst dünner Blattbewuchs der Bäume ermöglichen nun neue Einblicke am Felsenhang. Doch die Höhenrettungseinheit der Trierer Feuerwehr und das Höheninterventionsteam der rheinland-pfälzischen Bereitschaftspolizei entdecken mit ihrer Drohne keine weiteren Spuren in dem mysteriösen Fall.

Die Polizei vermutet ein Gewaltverbrechen und will nichts unversucht lassen. Drei Ermittler haben sich auch erneut die 200 Aktenordner des Falles vorgenommen, um doch noch einen Hinweis auf das Schicksal der 21-jährigen Studentin aus Korlingen bei Trier zu finden. Seit Monaten durchforstet das Trio akribisch alle 800 Spuren, die seit dem Verschwinden Tanjas vor fast vier Jahren angelegt wurden. Aber auch hier heißt es: "Bislang konnten sie nichts Neues finden", sagt der Leiter des Kommissariats für Kapitaldelikte der Kriminaldirektion Trier, Christian Soulier. Und ergänzt: "Mit den Informationen, die wir jetzt haben, ist die Chance relativ gering, den Fall noch zu klären."

Tanjas letztes Lebenszeichen im Juni 2007 war ein Handy-Telefonat um 4.13 Uhr morgens mit ihren Freunden. "Dann reißt die Informationskette ab." Warum ist das vermutete Gewaltverbrechen so schwer aufzuklären? "Es gibt keinen Tatort, kein Fundstück." Das heißt, die klassischen Ermittlungsmethoden kommen gar nicht erst zum Tragen. Wie etwa die Kriminaltechnik. Vernehmungen seien eigentlich nur "bessere Befragungen". Und alle diese führen zu einem Punkt, "wo wir nicht weiter kommen", sagt Soulier.

Der rätselhafte Fall von Tanja Gräff wird am 30. März Thema bei einer Spezial-Sendung von "Aktenzeichen XY ... ungelöst" im ZDF sein. Darin stehe vor allem im Fokus, wie Eltern mit dem plötzlichen Verschwinden ihres Kindes fertig werden, sagt die Redaktionsleiterin der Sendung, Ina-Maria Reize, in München.

Neben Tanjas Fall werden drei weitere Vermisstenfälle nachgestellt - und Angehörige zu Wort kommen. Auch die Mutter von Natascha Kampusch, Brigitta Sirny-Kampusch, soll ins Studio kommen. "Sie will den Angehörigen Hoffnung geben", hieß es. Ihre Tochter Natascha war als zehnjähriges Mädchen in Wien entführt und acht Jahre lang gefangen gehalten worden.

Trotz wenig Hoffnung - die Trierer Ermittler wollen nicht aufgeben. "Da hängt man schon mit Herzblut dran", sagt Soulier. Was der Durchbruch sein könnte? "Es müsste ein Zeuge kommen, der was ganz Neues hat. Oder man findet einen Tatort, ich denke an den berühmten Pilzsammler." Nach wie vor gebe es auch neue Hinweise, etwa ein bis zwei die Woche. Aber in letzter Zeit seien diese sehr weit hergeholt. Die drei "Spurenleser" haben inzwischen knapp die Hälfte der Akten durchforstet. Im Oktober wollen sie mit allem durch sein.