Missbrauch

Westerwald-Prozess: Anklage fordert 14 Jahre Haft

Ohne sichtbare Regung nimmt Detlef S. den Antrag des Staatsanwalts im Landgericht Koblenz zur Kenntnis. Der Anklagevertreter fordert am Donnerstag 14 Jahre und sechs Monate Haft als Strafe dafür, dass der Familienvater seine Tochter, seine Stieftochter und den Stiefsohn über Jahre missbraucht haben soll.

Anschließend soll der 48-Jährige nach dem Willen der Staatsanwaltschaft in Sicherungsverwahrung.

Sieben Kinder zeugte der Mann aus Fluterschen im Westerwald mit der Stieftochter. Beide Töchter soll er zudem an fremde Männer für Sex verkauft haben. Ursprünglich war Detlef S. wegen 350 Straftaten angeklagt. Diese Zahl wurde während der Verhandlung auf rund 160 Fälle von sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung sowie Beihilfe zu diesen Taten reduziert. "Nach all den Jahren und der Vielzahl der Übergriffe ist es für die Opfer schwer, alles darzustellen. Wir müssen daher von der Mindestmöglichkeit an Taten zugunsten des Angeklagten ausgehen", sagte der Staatsanwalt. Er sei sich aber sicher, dass diese Fälle lediglich die Spitze des Eisbergs seien.

Dass Detlef S. voll schuldfähig ist, hatte ein Gutachter bereits an einem der vorherigen Prozesstage attestiert und auf das antisoziale und manipulierende Verhalten des Angeklagten hingewiesen. "Er hat die Seelen seiner Kinder systematisch zerstört und einen Teufelskreis aus Angst, Druck und Gewalt aufgebaut", sagte der Staatsanwalt. Das Gutachten besage zudem, dass Detlef S. nicht therapiefähig sei. "Der Angeklagte hat eine hohe Neigung zu sexuellen Übergriffen auf Kinder und ist daher auch für die Allgemeinheit gefährlich", erklärte der Staatsanwalt und beantragte daher Sicherungsverwahrung. Den Forderungen schlossen sich die Nebenkläger an. Für Montag ist das Plädoyer der Verteidigung geplant, am Dienstag soll das Urteil gesprochen werden.