Justiz

Kind verlangt Schmerzensgeld von Jugendamt

Ein von der Mutter misshandeltes Kind verlangt vom Jugendamt Güstrow Schmerzensgeld wegen unterlassener Hilfeleistung. Vor der Zivilkammer des Rostocker Landgerichts beginnt am Donnerstag kommender Woche (17. März) ein Prozess gegen den zuständigen Güstrower Landkreis, wie eine Gerichtssprecherin am Freitag ankündigte.

Der Landkreis beantragt, die sogenannte Amtshaftungsklage abzuweisen.

Das heute zehn Jahre alte Mädchen fordert 30 000 Euro, weil eine Jugendamtsmitarbeiterin einen ärztlichen Hinweis auf die Misshandlungen nicht an die zuständige Sozialarbeiterin weitergeleitet hat. Dem Mädchen waren bis zu seinem fünften Lebensjahr 2006 von der Mutter lebensbedrohliche Verletzungen zugefügt worden, indem ihr ätzende Flüssigkeiten verabreicht und sie mit heißem Wasser übergossen wurde. Nach den Misshandlungen brachte die Mutter ihre Tochter fast immer zum Arzt oder holte den Notarzt. Um die Taten zu vertuschen, wechselte sie dabei aber die Kliniken.

Die Jugendamtsmitarbeiterin wurde bereits vom Amtsgericht für schuldig befunden und verwarnt. Der Landkreis weigert sich nun allerdings, dem heute zehn Jahre alten Mädchen Schmerzensgeld zahlen. Zur Begründung wird vorgetragen, dass noch Ansprüche gegenüber anderen Personen, zum Beispiel der behandelnden Kinderärztin und der Mutter, bestehen. Die Mutter, die Überforderung mit ihrer kleinen Tochter als Grund für die Misshandlungen angab, war zu neun Jahren Gefängnis und 30 000 Euro Schmerzensgeld verurteilt worden. Sie ist aber mittellos. Ein Schmerzensgeld von ihr wird das Opfer also nicht erwarten können.