Gesundheit

Medizinischer Notstand: Ein ganzes Dorf sucht einen Hausarzt

Ein ganzer Ort sucht händeringend einen Hausarzt: Im idyllischen Urlaubsörtchen Gartow in der Elbtalaue hat der einzige Allgemeinmediziner nach 25 Jahren aufgehört. Eine Bürgerkommission will nun einen Nachfolger finden, mit Handzetteln und über das Internet.

Unter der Überschrift "Hausärztlicher Notstand in der Samtgemeinde Gartow" wird im Netz auf die mannigfachen Vorzüge der Region im Landkreis Lüchow-Dannenberg hingewiesen. "Um Ihnen einen Praxisstart zu erleichtern, könnte die Samtgemeinde Ihnen Räumlichkeiten vermitteln und eine Anschubfinanzierung in Aussicht stellen", heißt es dort. Interessenten können sich direkt an den Bürgermeister wenden.

"Tausend Handzettel werden gedruckt. Sie sollen in Geschäften und Tankstellen aufgehängt werden. Möglichst viele der 4000 Einwohner sollen sie in ihren Autos an den Scheiben befestigen", kündigte Peter Burkhardt am Donnerstag an. Er hat die Plakate entworfen, "Arzt gesucht" prangt oben in dicken Lettern.

Das Hausärztedefizit ist nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Niedersachsen besonders hoch. Bundesweit müssen bis 2020 im ambulanten Bereich mehr als 50 000 Ärzte ersetzt werden, davon fast die Hälfte Hausärzte, hat die KBV errechnet. In Niedersachsen fehlten über 400 Hausärzte.

"Die Tätigkeit als Landarzt ist ein Knochenjob. Er ist geprägt durch viele Nacht- und Wochenenddienste", sagt KBV-Pressesprecher Roland Stahl. Nach einer bundesweiten Befragung von rund 12 000 Medizinstudenten konnten sich lediglich 16 Prozent überhaupt vorstellen, einmal auf dem Land tätig zu werden.