In Sicherheit : Tina Rothkamm

Heimkehr nach Flucht aus Tunesien

Tina Rothkamm trägt die dunkelbraune Baskenmütze über den hellblonden Haaren locker in die Stirn gezogen. Die Lippen hat sie rosarot geschminkt. Sie wirkt, als hätte sie sich schick gemacht für diesen Auftritt, sie geht entspannt, schlendert fast durch das Tor der Gepäckausgabe in die Ankunftshalle, schaut sich kurz um, lächelt dann, geht die Rampe herunter.

Blitzlichtgewitter. Ihr neuer Lebenspartner hat sie längst entdeckt, er steht vorne am Wartegeländer. Aber er muss sich erst den Weg bahnen. Ein gutes Dutzend Fotografen und Journalisten steht am Flugsteig B, drängt sich um die 40-jährige Mutter und ihre neunjährige Tochter Amira Jasmine. Tina Rothkamm lächelt in die Kameras, während sich ihr Partner zu ihr durchdrängelt. Dann, endlich, schließt sich das Paar in die Arme. Auch der einjährige Sohn der beiden ist dabei, hat lange auf seine Mutter gewartet, auch er wird geherzt, die Tochter in die Luft gehoben. Küsse, Umarmungen, Glück. Wiedersehensfreude am Düsseldorfer Flughafen.

Es ist kurz vor sechs am Mittwochabend, mit der Ankunft des Easy-Jet-Airbus aus Rom ist die Alptraumfahrt der 40-jährigen Mutter und ihrer Amira Jasmine aus Tunesien über das Meer nach Lampedusa und dann von Rom mit dem Flieger nach Düsseldorf endlich zu Ende. "Es geht mir gut", sagt die Rheinländerin zu den Journalisten. Aber: "Meine Tochter hat Fieber." Sie hätte "riesige Strapazen" durchgemacht.

Mit Amira Jasmine ist Tina Rothkamm am Montagmorgen zur Verblüffung der italienischen Hilfskräfte auf der Insel Lampedusa von einem nordafrikanischen Flüchtlingsboot gestiegen. Den Journalisten hatte sie erzählt, sie habe sich einer Schleuserbande anvertraut, um ihr Kind aus den Händen ihres tunesischen Ex-Manns zu befreien. Über Wochen habe sie vergeblich versucht, ein Ausreisevisum für sich und ihr Kind zu bekommen. Doch ihr Ex-Mann habe seine guten Beziehungen bei Polizei und Zoll in Tunesien genutzt, um die Ausreise zu verhindern.

Tina Rothkamms abenteuerliche Flucht nach Lampedusa begann am Sonntagmorgen. Von der Küste Tunesiens brach sie mit einem Flüchtlingsboot auf. Die Tochter und ihr weniges Gepäck an sich gepresst, harrte sie zwischen 110 nordafrikanischen Flüchtlingen aus - 20 Stunden lang. So richtig vorbei ist ihre Alptraumfahrt aber erst seit Mittwochabend.