Justiz

Kachelmann-Prozess: Streit über Glaubwürdigkeit der Ex-Geliebten

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Mitte Juli hatte sie Jörg Kachelmann ein zynisches Geburtstagsgeschenk ins Gefängnis geschickt: Kondome und ein Stück Intimwaschseife. Zuvor schon war eine Rechnung an seinen Anwalt Reinhard Birkenstock gegangen, in Höhe von 3700 Euro.

Diese Summe wollte Kachelmanns Ex-Geliebte Katharina T., die jetzt ihre Story einer Illustrierten verkauft hat, als Ersatz für den Kostenaufwand ihrer drei Jahre währenden Beziehung zurückhaben. Das wurde am 15. Prozesstag bekannt, als eine Freundin der 29-jährigen Försterin aus Norddeutschland aussagte.

Klar wurde bei der Vernehmung der Studentin Xenia R. auch, dass Katharina T. offenbar einen wachsenden Hass gegen Kachelmann hegte. Ein Interview, das der Wettermann nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft gab, muss sie so empört haben, dass sie sich erst dann bei der Mannheimer Staatsanwaltschaft meldete: Sie habe mit Kachelmann am Morgen nach der mutmaßlichen Vergewaltigung telefoniert, und er habe so gestresst und aufgelöst gewirkt wie nie zuvor, berichtete sie der Staatsanwaltschaft am 12. August - also fast fünf Monate nach der Verhaftung.

Was genau Katharina T., eine Umweltaktivistin und ehemalige Deutsche Meisterin im Luftgitarrenspiel, am Montag vor Gericht ausgesagt hat, ist nicht bekannt. Denn die Vernehmung fand unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Doch ihre Freundin Xenia R. musste sich vor versammeltem Publikum den Fragen stellen. Ziemlich wirr schilderte die Studentin dabei ihre Erinnerung, die Freundin habe am Telefon gesagt: "Du, ich habe mit Jörg telefoniert, und das war ganz komisch." Kachelmann solle "total bedrückt und fahrig" geklungen haben. Einen konkreten Hinweis, worauf dieser Eindruck fußte, oder inhaltliche Details konnte sie aber nicht liefern.

Dafür gerieten Staatsanwaltschaft und Verteidigung an diesem Morgen wegen der Aussage von Katharina T. aneinander. Dass sie ihre Erlebnisse mit dem wegen Vergewaltigung angeklagten Moderator öffentlich machen will, sorgte bei der Verteidigung für Unmut. Kachelmanns Anwalt Birkenstock nahm dies zum Anlass, indirekt ihre Glaubwürdigkeit in Zweifel zu ziehen. Der Staatsanwalt sagte, die Zeugin habe am Montag korrekt auf die Fragen der Verteidigung geantwortet. Es sei ihr überlassen, ob und welche Verträge sie mit einer Illustrierten aushandle.

Begonnen hatte der Prozess mit der Vernehmung der Ärztin, die das mutmaßliche Vergewaltigungsopfer untersucht hat. Ihr sei - von Kratzspuren am linken Arm und Hals und beginnenden, handtellergroßen Hämatomen an den Oberschenkeln abgesehen - nichts aufgefallen, sagte sie. Gynäkologisch hätten sich keinerlei Verletzungen gezeigt. Claudia D. sei auch sehr gefasst und ruhig gewesen, sie habe nicht geweint und alle Untersuchungen ohne Klage über sich ergehen lassen.

Nach Ende des Verhandlungstags wurde ein Journalist vorläufig festgenommen. Der Redakteur der Deutschen Presse-Agentur soll die Richter der 5. Großen Strafkammer illegal abgehört haben; er selbst bestritt dies aber. Am späten Nachmittag wurde der Reporter wieder freigelassen.

"Du, ich habe mit Jörg telefoniert, und das war ganz komisch"

Katharina T., Zeugin, laut Erinnerung ihrer Freundin im gemeinsamen Gespräch

( /dpa/dapd/hc )