Polizei

Tödlicher Brechmitteleinsatz erneut vor Gericht

Mehr als sieben Jahre liegt die Brechmittel-Affäre in Bremen schon zurück. Ihre Aufarbeitung ist jedoch noch immer nicht beendet. Ende 2004 starb ein mutmaßlicher Drogendealer, nachdem ihm ein Polizeiarzt Brechmittel eingeflößt hatte.

War es Überforderung, Unwissen oder gar Körperverletzung mit Todesfolge, die zu seinem Tod führte? Das muss das Landgericht ab dem morgigen Dienstag erneut verhandeln.

Angeklagt ist ein 46 Jahre alter Mediziner, den Richter im ersten Prozess freigesprochen hatten. Der aus Kasachstan stammende Arzt hatte dem Verdächtigen damals mit einer Magensonde Wasser und Brechmittel verabreicht. Der 35-Jährige aus Sierra Leone verlor das Bewusstsein, dann setzten Herz und Atmung aus. Sanitäter konnten ihn zwar wiederbeleben, er starb aber wenige Tage später im Krankenhaus. Der Mediziner musste sich daraufhin wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht verantworten. Nach 24 Verhandlungstagen kamen die Richter aber zu dem Ergebnis, dass sie ihm das nicht nachweisen können. Der Arzt sei mit der Situation völlig überfordert gewesen und habe zahlreiche Fehler gemacht, urteilte die Kammer. Strafrechtlich sei er aber nicht schuldig.

Anschließend kam es zu lautstarken Protesten im Gerichtssaal. Auch die Mutter und der Bruder des Opfers wollten die Entscheidung nicht akzeptieren und legten Revision ein. Vergangenen April kassierte der Bundesgerichtshof das Urteil. Im neuen Verfahren lautet der Vorwurf jetzt Körperverletzung mit Todesfolge. Der tragische Tod des 35-Jährigen hatte 2004 für einen handfesten politischen Streit in der Hansestadt gesorgt. 2002 war bereits ein Verdächtiger in Hamburg an Brechmittel gestorben. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte verurteilte Deutschland 2006 schließlich für diese Praxis. Seitdem wird Brechmittel nicht mehr eingesetzt.